Klosterschule gesteht Missbrauch ein: Schüler in 1980er-Jahren sexuell genötigt
- Vorarlberg: Täter heute noch als Priester in Tirol tätig
- Abt van der Linde: Vater auf eine Anzeige verzichtet

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Vorarlberg: In 1980ern Schüler sexuell genötigt
Im Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau ist in den 1980er-Jahren offenbar ebenfalls ein Schüler sexuell missbraucht worden. "Wir hatten einen Fall", räumte Abt Anselm van der Linde ein.
Der Pater habe den Missbrauch gestanden und sei anschließend nach Tirol versetzt worden, sagte der Abt im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten". Eine Anzeige habe es nicht gegeben.
Vater auf Anzeige verzichtet
Der Vater des Jugendlichen habe damals auf eine Anzeige verzichten wollen, sofern der Pater sofort aus der Schule abgezogen wird, so Van der Linde. Die Mehrerau habe den heute 74-Jährigen daraufhin sofort nach Tirol versetzt und den Tiroler Bischof informiert, sagte Van der Linde. Der Pater habe eine Therapie absolviert und wirke heute noch als Priester in Tirol, so der Abt.
2001 sei ein weiterer Pater des Klosters in einen Missbrauchsfall involviert gewesen, allerdings nicht im Internat. "Der Mann hat in Innsbruck studiert und ohne Erlaubnis des Abtes Nachhilfe erteilt", erklärte Van der Linde. Dieser Pater habe sich dann irgendwann einen Burschen aus dem Drogenmilieu geholt und missbraucht. "Mein Vorgänger Abt Kassian hat ihn sofort suspendiert. Der Pater ist gerichtlich verurteilt worden", betonte der Abt. Der Mann sei uneinsichtig und lehne eine Therapie ab. "Ihn können wir niemals wieder einsetzen", so Van der Linde.
Auch gewaltsame Übergriffe in 80ern
Der Leiter des Internats, Regens Dominikus Matt, räumte ein, dass es in der Vergangenheit auch vereinzelt gewaltsame Übergriffe auf Schüler gegeben habe. "Das kann ich bestätigen. Allerdings ist das schon lange her", sagte Matt. Seit Mitte der 1980er-Jahre sei das kein Thema mehr: "Der damalige Internatsleiter gab ganz klar die Parole aus: Wer schlägt, der geht", so Matt.
Nach dem Umgang der katholischen Kirche mit der Sexualität befragt, sagte Van der Linde, dass die Kirche "nicht länger so verkrampft" mit diesem Thema umgehen dürfe. Die Kirche müsse die Sexualität offener und menschenwürdiger behandeln. Bezogen auf Privatgymnasium und Internat kündigte Van der Linde die Ausarbeitung eines Verhaltenscodex' gemeinsam mit den Schülern und den Eltern an.
(apa/red)
