Mittwoch, 10. März 2010

Rosenkranz. Wo sollen 35 Prozent für sie
herkommen? Versuch einer Demoskopie

  • Pohl-Position von Walter Pohl zur FPÖ-Kandidatin
  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Wer die Lufthoheit über den Stammtischen dieser Republik hat, der hat sie auch über den Wahlzellen. Das sollten auch und ganz besonders jene Haus-Demoskopen wissen, die H.-C. Strache unlängst dazu gebracht haben, sich auf ein Ergebnis von bis zu 35 Prozent der Stimmen für seine schollenverbundene Kandidatin Barbara Rosenkranz festzulegen.

Mein persönlicher Test, durchgeführt am vergangenen Sonntag so gegen 11.30 Uhr in Wien-Erdberg, brachte absolut Gegentrendiges zutage. Die deklarierten Wahlerklärungen für Heinz Fischer purzelten nur so durch die Gegend und kamen selbst von jenen Menschen, die man durchaus auch als FPÖ-Wähler in Verdacht haben könnte. Je nach Sprachgewalt wurden die Ausschließungsgründe für Barbara Rosenkranz definiert. Der Spannungsbogen reichte von „Um Gottes willen, net die ,Nazi-Tante‘!“ bis hin zum politischen Kalkül: „Na bravo, mit der als Präsidentin hackt dann die EU wieder auf uns herum.“

Zugegeben: Fünf Personen an einem politisch und sozial ziemlich durchmischten Stammtisch sind noch lange kein seriöses Sample für die Einschätzung eines Wahlergebnisses. Aber man wird den Verdacht nicht los, dass sich dieser Mikrokosmos der Ablehnung über die Weiten unseres Landes zu einem Klima der generellen Verweigerung verdichtet. „Za wos brauch ma die Frau?“, hätte Qualtinger selig gesagt und hätte damit auch all jenen, die weit rechts von Heinz Fischer daheim sind, aus der Seele gesprochen. Denn genau jetzt, wo die Büchse der Pandora geöffnet ist, mag sich selbst der gleichgültigste Politmuffel dazu entschließen, doch für Fischer zu kreuzeln. Vielleicht genau deshalb, weil er so staatsmännisch und ein wenig „fad“ auftritt.

Und die Jugend erst recht: Da, wo H.-C. Strache derzeit den stärksten Zulauf hat, werden seiner Kandidatin Rosenkranz die „Nachwuchsstimmen“ abgehen. Oder glaubt wirklich irgendjemand, dass ein heute 18-Jähriger die Auseinandersetzung über das Verbotsgesetz „sexy“ findet? Die wollen Arbeitsplätze, Geld für Discobesuche und irgendwann eine Wohnung. Oder einen gesicherten Zugang zur Uni. Jedenfalls aber keine bedirndelte Mutter von zehn Kindern, deren Mann aussieht, als könnte er in einer Hitler-Bio jederzeit den Hausmeister vom Obersalzberg abgeben.

10.3.2010 13:26