Christoph Waltz holt Oscar: Filmbranche gratuliert und sieht "Ausnahmefälle"
- ÖFI-Chef: "Gratulation wäre raubritterhaft"
- Regisseure & Produzenten fordern mehr Förderbudget

Den "Triumph eines unterschätzten Industriezweigs", einen "der größten Erfolge der rotweißroten Filmkreativen" und ein "Signal an die österreichische Politik" sieht die österreichische Filmbranche in den Ergebnissen der Oscar-Nacht. Gratulationen gab es sowohl für den Oscar-Gewinner Christoph Waltz als auch für die leer ausgegangenen Michael Haneke und Christian Berger zum "überragenden Erfolg ihrer Arbeit", wie es in einer Aussendung des Dachverbands der Filmschaffenden heißt.
Der Verband österreichischer Regisseure (ADA) betont allerdings, dass es sich "dezidiert nicht um vornehmlich österreichische Produkte" handelt. Der Verband der österreichischen Filmproduzenten (AAFP) fordert von der Politik: "Seid auch so gut wie wir!" Für den Direktor des Österreichischen Filminstituts, Roland Teichmann, wäre "eine Gratulation an Waltz als ÖFI etwas raubritterhaft", wie er gegenüber der APA betonte. "Aber es freut mich natürlich wahnsinnig für ihn."
Waltz' Oscar-Triumph werde "vielleicht auch ein bisschen auf Österreich ausstrahlen", so Teichmann, der darin allerdings keinen Anlass für finanzielle Forderungen sieht. "Es gibt viele andere Gründe, warum wir mehr Geld brauchen können." Für den Dachverband der Filmschaffenden sind die Oscars allerdings "ein eindringlicher Beweis der Wirksamkeit anderer Strategien", in einer Zeit "wo Filmförderung immer wieder absurden wirtschaftspolitischen Legitimationszwängen unterworfen wird". Auch die ADA betont, dass es sich bei Waltz, der seine Chance "exzellent zu nutzen wusste", und Haneke, der seine Trademark "vor allem mit ausländischen Filmfinanzierungen durchzusetzen verstand", in Österreich "um Ausnahmefälle handelt".
Was folgt?
"Doch was soll dem Blitzlichtgewitter folgen?", fragt sich der Verband in einer Aussendung. Trotz der Initiativen der "engagierten Kulturministerin" Claudia Schmied und "nun endlich auch des Wirtschaftsministeriums" fehle "nach wie vor eine substanzielle Aufstockung der Basis-Mittel". Das ÖFI müsse aus Geldmangel eine "Vielzahl an lohnenden Projekten" ablehnen. In dieser "Erfolgsstunde des österreichischen Films" dürfe man auf politischer Seite nicht nur "kosmetische Maßnahmen" setzen.
Den "richtigen Weg" in der Filmförderpolitik sieht auch der Produzenten-Verband AAFP, doch bedürfe es für das Filmland Österreich "lobender Worte und angemessener Budgets. Anderenfalls bleiben die realen internationalen Marktchancen ungenutzt." Die Forderung, das ÖFI-Budget auf 20 Millionen aufzustocken, entspreche angesichts der zahlreichen "qualitativ hochwertigen und kommerziellen" Projekt-Einreichungen dem "tatsächlichen Bedarf". Für eine kurzfristige Lösung müsse auch der ORF in die Pflicht genommen werden. "Erfolg ist ein Vogerl, das gerade im Frühling Futter braucht." Neben der Bedarfsdeckung solle man auch "alternative, europäisch erprobte Filmfinanzierungsmöglichkeiten" ins Auge fassen.
(apa/red)
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