Montag, 8. März 2010

Ein Melzer allein wird wohl zu wenig sein:
ÖTV-Team braucht zweiten Leistungsträger

  • Im Play-off ist ein zweiter guter Einzelspieler gefragt
  • Köllerer oder Koubek: Schaller hat die Qual der Wahl

Im Vorfeld der Davis-Cup-Begegnung mit der Slowakei sind in Österreich die Nominierungsentscheidungen zwischen Daniel Köllerer und Stefan Koubek bzw. Julian Knowle und Oliver Marach im Mittelpunkt gestanden. Dann aber machte sie Jürgen Melzer mit einer "One Man-Show" alle zu Statisten, sicherte fast im Alleingang den Einzug ins Play-off der Tennis-Weltgruppe. Die unumschränkte heimische Nummer-eins-Position des 28-Jährigen bereitet aber auch Kopfzerbrechen.

In der Europa/Afrika-Zone gegen die mit einem jungen, eher unerfahrenen Team angetretenen Slowaken hat lediglich ein starker Spieler auf österreichischer Seite - auch wenn sich Knowle im Laufe des Doppels noch gesteigert hat - gereicht. Wenn es um die Rückkehr in die oberste Liga geht, würde das aber wohl anders aussehen. Auf Einzel-Ebene gibt es jedenfalls derzeit keinen zweiten ÖTV-Akteur mit Weltgruppen-Niveau.

Köllerer enttäuschte
Köllerer hatte zwar von ÖTV-Kapitän Gilbert Schaller den Vorzug gegenüber Koubek erhalten, nachdem dieser ohne vorliegende Fixplatz-Garantie auf eine Nominierung von sich aus verzichtet hatte. Doch eine 0:2-Bilanz nach seinem, einer zweiwöchigen Intensiv-Vorbereitung gefolgten Debüt im Team-Länderkampf u.a. nach einer Zweisatzniederlage gegen den Weltranglisten-200. Martin Klizan macht sich für den Oberösterreicher nicht so gut.

"Ich möchte mich bei den Kollegen bedanken", strich Köllerer zum Abschluss der gemeinsam verbrachten Woche den Teamgeist hervor. "Wir haben gewonnen, das ist das Wichtigste. Jürgen hat drei Punkte für uns und ich zwei Punkte für die Slowaken geholt", kommentierte der 26-Jährige seine Negativ-Bilanz auch mit Humor. In Schallers Überlegungen spielt der Welser jedenfalls weiter eine große Rolle, genauso aber Koubek.

Beim Kärntner bleibt abzuwarten, wie er sich im Spätsommer hinsichtlich einer etwaigen Davis-Cup-Nominierung verhalten würde. Diesmal legte der bereits 33-Jährige seine Konzentration klar auf seine langsam ausklingende Einzel-Karriere. Dafür ließ er Schaller danach über Medien seinen Unmut über seine Nichtberücksichtigung wissen. "Ich habe mir da gedacht", erklärte Schaller, "auf welchem Planeten leben wir eigentlich." Denn so wie Koubek es dargestellt hat, sei es nicht gewesen.

Hoffen auf Setzung
Grundsätzlich stören den steirischen, auch als ÖTV-Sportdirektor tätigen Coach die medialen Querschüsse der Nichtberücksichtigten. Ähnlich lief es bei Marach, nachdem der Steirer bei der Kaderbekanntgabe erneut gegenüber Knowle das Nachsehen hatte. Derartiges will Schaller künftig nicht mehr haben. "Mir war wichtig, dass im Team gegenseitiger Respekt da ist", erklärte der 40-Jährige. Beim ÖTV-Team in Bad Gleichenberg sei der gegeben gewesen.

Die Play-off-Auslosung am 11. Mai in London wird dem ÖTV-Team mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Auswärts- oder ein schwieriges Heim-Los bringen. Die Hoffnung auf eine Top-Acht-Platzierung unter den 16 Play-off-Teams und damit eine Setzung dürfte sich kaum erfüllen. Schaller befürchtet im Streben um die Rückkehr in die Weltgruppe daher schon Schlimmes: "Wenn wir nicht gesetzt sind, können wir die Ohren anlegen."

(apa/red)

8.3.2010 14:42