"Mit letztem Zucken" zum Slalom-Kristall:
"Definitiv schönster Erfolg meiner Karriere"
- Nervenaufreibende Finale hat ihm wirklich zugesetzt
- Herbst aufgrund einer Viruserkrankung geschwächt

·"Mit letztem Zucken" zum Slalom-Kristall
Herbst: "Ist schönster Erfolg meiner Karriere"
Reinfried Herbst war in Garmisch-Partenkirchen nach dem Gewinn der Slalom-Kristallkugel deutlich gezeichnet, aber überglücklich. Das nervenaufreibende Finale hat dem aufgrund einer Viruserkrankung ohnehin bereits geschwächten Salzburger schwer zugesetzt.
"Ich habe die Kugel mit den letzten Zuckern ins Ziel gebracht. Ich war nach Olympia richtig krank, so krank wie schon lange nicht mehr. Das habe ich deutlich gemerkt, Mitte des zweiten Durchgangs war ich komplett am Ende. Zum Glück habe ich es dann aber noch so hingebracht, dass es sich ausgeht", berichtete der Salzburger, dem ein neunter Platz auf dem Gudiberg zum ersten Kugelgewinn seiner Karriere reichte.
"Meine Nerven waren blank"
Die bangen Minuten im Zielraum waren nicht nur für Herbst eine Zerreißprobe, auch die Trainerriege rund um Toni Giger zitterte gehörig mit. "Meine Nerven waren blank, weil ich ja nicht mehr eingreifen konnte. Julien (Lizeroux, Anm.) hat sich mit einem Granatenlauf gewehrt wie wild. Er hat am Start gehört, dass ich führe, und da gab es für ihn nur mehr eine Devise. Aber zum Glück hat es für mich gereicht."
Trotz Olympia-Silber 2006 stellte Slalom-Spezialist Herbst, der vier Saisonrennen gewann, klar: "Das ist definitiv der schönste Erfolg meiner Karriere. Sportlich ist diese Kugel das allerhöchste was man als Slalom-Spezialist erreichen kann, weil man die gesamte Saison gut fahren muss."
"Wahrsager" Felix Neureuther
Der spätere Sieger Felix Neureuther hatte bereits vor dem zweiten Lauf im Startbereich eine gute Nase bewiesen, wie Herbst berichtete. "Der Felix hat gesagt, dass wir einen Tisch reservieren werden, um meine Kugel und seinen Podestplatz zu feiern. Er könnte über den Sommer als Wahrsager arbeiten."
Neben Neureuther hatte der 31-Jährige, der im ersten Durchgang durch einen schweren Fehler rund sieben Zehntel liegen ließ, vor dem Finale auch noch mit Konkurrent Lizeroux Kontakt. Die beiden gingen ja unmittelbar hintereinander in den zweiten Lauf. "Wir haben uns gegenseitig alles Gute gewünscht. Das ist wichtig, der Sport soll immer ein fairer Kampf sein. Und das war's auch. Ich hab mir die Kugel mit vier Siegen verdient. Julien hätte sie auch verdient gehabt, weil er in jedem Rennen durchgekommen ist. Ich sage Danke, dass das Glück auf meiner Seite war."
Schnuller und Freudenträner
Jungvater Herbst zog nach dem Rennen nicht nur einen rosa Schnuller aus dem Gepäck, sondern vergoss auch Freudentränen. "Da sind die Emotionen hochgekommen. Der letzte Weltcup-Slalom war vor eineinhalb Monaten in Kranjska Gora und ich konnte dieses Rennen einfach nicht mehr erwarten. Dann bin ich bei Olympia ohne Medaille geblieben und danach im Bett gelegen. Da sind mir dann die Gedanken gekommen, ob sich das noch ausgeht. Und die Gedanken waren berechtigt, wie sich heute gezeigt hat."
(apa/red)
