Neue Misshandlunge in katholischer Kirche:
Sexuelle Übergriffe in drei Bundesländern
- Erzabt bietet in Salzburg 5.000 Euro Schweigegeld
- Missbrauchsfälle auch in Steiermark und Vorarlberg

·Auch Niederländer
im Missbrauchssumpf
350 Hinweise innerhalb kurzer Zeit eingegangen
·Sängerknaben überprüfen Vorwürfe
Missbrauchsopfer sollen bei Aufklärung helfen
·Neue Misshandlungen
in katholischer Kirche
Erzabt bietet in Salzburg
5.000 Euro Schweigegeld
·Heller: Missbrauch
im Internat miterlebt
Statt Hilfe gab es nur
"jesuitische Selbstjustiz"
·'Die Kirche braucht nun Befreiungsschlag'
NEWS: Ordens-Oberer Fürnsinn zum Missbrauch
In Österreich sind neue Vorwürfe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche aufgetaucht. Ein 53-Jähriger hat sich als Opfer eines Missbrauchs vor rund 40 Jahren durch den Erzabt des Stiftes St. Peter in Salzburg, Bruno Becker, und zwei weiteren Patres an die Öffentlichkeit gewandt. In der Steiermark und in Vorarlberg wurden unterdessen Vorwürfe mit mehreren Opfern bekannt.
Der 53-Jährige schilderte, der Missbrauch durch den Erzabt, damals Priesteramtsanwärter, sei bei einem Radausflug in einer Höhle passiert. Als er ihn im November des Vorjahres mit den Vorwürfen konfrontiert habe, habe dieser den Missbrauch eingestanden und ihm 5.000 Euro angeboten, wenn er keine weiteren Schritte mehr setze. Sechs Jahre lang sei er außerdem von zwei anderen Patres immer wieder missbraucht worden. Erzabt Becker bot seinen Rücktritt an, dieser wurde noch am Nachmittag von der Äbtekonferenz angenommen.
Ein weiterer Missbrauchsfall in der römisch-katholischen Kirche ist in der Oststeiermark bekanntgeworden. In den späten 1970er und 80er Jahren soll ein Pfarrer bis zu zwanzig Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts sexuell missbraucht oder belästigt haben. Dies berichtet die Wochenzeitung "Falter". Der Priester selbst, heute im Burgenland in einer Gemeinde tätig, bestätigte in derselben Ausgabe die - mittlerweile verjährten - Vorfälle.
Auch im Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau hat es offenbar mehr als nur einen Missbrauchsfall gegeben. Im Jahr 2004 gab es eine Anzeige gegen einen Pater, der sich an zehn Jugendlichen vergangen haben soll. Das Verfahren wurde aber wegen Verjährung eingestellt, berichtete der ORF. Der Leiter des Klosters Mehrerau, Abt Anselm van der Linde, hatte in den "Vorarlberger Nachrichten" zuvor einen einzelnen Missbrauchsfall in den 1980er-Jahren eingeräumt. Das Bekanntwerden dieses Falls führte offenbar dazu, dass am Dienstag weitere Missbrauchs-Opfer in Kontakt mit den Vorarlberger Medien traten.
Prior: "Ein dunkler Tag für die Kirche "
Das ist ein dunkler und bitterer Tag für die Kirche und unser Kloster", sagte der Prior der Erzabtei St. Peter, Pater Korbinian Birnbacher. "Ich bitte das Opfer um Verzeihung für das Vorgefallene. Mein Mitgefühl gilt dem Opfer, dem ich Respekt zolle, dass es den Mut hatte, zu sprechen, denn dadurch hilft es, alles aufzuarbeiten. "Ich tue alles, um es wieder gut zu machen, kann es aber nicht ungeschehen machen. Bei sexuellem Missbrauch gibt es keine Toleranz, auch nicht für einen Erzabt." Die Erzabtei St. Peter bittet mögliche weitere Opfer eindringlich, sich zu melden, denn nur dann könnte alles aufgeklärt werden, so Birnbacher.
(apa/red)
