Tödliche Schüsse im Kremser Supermarkt:
Angeklagter bekennt sich "nicht schuldig"
- 43-jährigem Beamten drohen bis zu drei Jahre Haft
- Richter glaubt ihm nicht: "Sie waren auf Adrenalin"
·Die Chronologie im tragischen Fall Krems
14-Jähriger bei Einbruch von Polizisten erschossen
·Fall Krems - Die Würfel sind gefallen
KOMMENTAR: Ein Urteil, das Erlösung bringt?
·Krems: 18 Monate Haft für 17-Jährigen
Auch rumänischer Komplize wurde verurteilt
·Krems: Bruder des Opfers vor Gericht
Angeklagter bekennt sich schuldig. Prozess vertagt

Unter regem medialen Interesse hat im Landesgericht Korneuburg der Prozess gegen den Polizisten begonnen, der in der Nacht auf den 5. August 2009 in einem Kremser Supermarkt einen 14-jährigen Einbrecher erschossen hatte. Der 43-jährige Beamte muss sich wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verantworten. Er bekannte sich zum Auftakt "nicht schuldig".
Die Anklage legt dem Polizisten zur Last, "zumindest irrtümlich" einen Angriff auf seine Person angenommen und "in Furcht oder Schrecken" von seiner Dienstwaffe Gebrauch gemacht zu haben. Damit hat er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft "das gerechtfertigte Maß der Verteidigung" überschritten. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem 43-Jährigen bis zu drei Jahre Haft.
Der 14-jährige Florian P. und sein 17 Jahre alter Freund Roland T. waren in der Nacht auf dem 5. August 2009 in den Supermarkt eingedrungen. Dabei lösten sie Alarm aus. Als die Polizei eintraf, versteckten sich die Jugendlichen zunächst in einem dunklen Gang vor dem Verkaufsraum. Dort kam es zu der Begegnung mit dem 43-jährigen Polizisten und einer Kollegin, die sich im Dunkeln von den Vermummten angegriffen fühlten.
Während der Polizist einen Warnschuss abgab, feuerte seine Kollegin auf die Beine des 17-Jährigen. Das Projektil drang dem Jugendlichen in beide Oberschenkel. Für die Beamtin bleibt ihre Schussabgabe ohne strafrechtliche Folgen. Ihr wurde zugestanden, in einer "notwehrfähigen Situation" geschossen zu haben.
"Sie waren auf Adrenalin"
Während der 17-Jährige zusammengebrochen war, lief der 14-Jährige davon und versteckte sich. Der Beamte folgte ihm. "Sie dürften unter Adrenalin gestanden sein, kann man das so sagen. Sie sind in den Fight übergegangen", kommentierte der Richter dieses Verhalten. "Ich wollte nur raus. Aus Angst", erwiderte der Polizist. Der Richter machte deutlich, dass er dem nicht glaubte: "Ich behaupte: Sie waren auf Kampf. Sie waren auf Adrenalin und sind dem nachgegangen. Warum sagen's nicht einfach, sie wollten die festnehmen und sind mit gezogener Dienstwaffe nach?" Der Beamte verneinte das mit Bestimmtheit.
"Wo wollten Sie ihn treffen?", wollte der Richter wissen. "Wenn, im unteren Bereich", erwiderte der 43-Jährige. Getroffen wurde der Bursch allerdings in der Lunge, wobei er dem Beamten den Rücken zugekehrt hatte. "Einen halben Meter daneben schießen, wie geht das?", wunderte sich der Richter. "Das kann ich mir nicht erklären", sagte der Polizist. Er habe "erst im Nachhinein erfahren, dass er im Rücken getroffen wurde".
(apa/red)
Wetter20:15
Weitere Kältetote80-Jähriger stirbt vor Krankenhaus in der Steiermark - Temperaturen bleiben eisig
Selbstmord11:25
Häftling bringt sich umOberösterreich: 46-jähriger Mann kommt von Toilettengang nicht mehr zurück
Illegale Tests in Tirol14:16
Kommission geplantMedizin-Uni richtet Hotline für Opfer ein - Psychiatrie-Chef fordert Untersuchung
