Athens Verschuldung läuft wie geschmiert:
Korruption hat Land und Leute fest im Griff
- Jeder Grieche zahlt 1.355 Euro "Fakelaki" pro Jahr
- Staatspräsident will Korruption scharf bekämpfen

·"In der Krise brechen
alle Probleme auf"
Wann Verschuldung der
Staaten kritisch wird
·Griechen lassen es
schon wieder krachen
Zusammenstöße zwischen
Polizei & Demonstranten
·Proteste in Athen:
"Greift zu den Waffen"
BILDER: Streiks legen ganz Griechenland lahm
·Die Griechen werden zur Kasse gebeten
Erhöhte Mehrwertsteuer als Teil des Sparkurses
·Athens Verschuldung
läuft wie geschmiert
Die Korruption hat Land
und Leute fest im Griff
Wie kommt es, dass Griechenland vor den Augen Europas einen Schuldenberg anhäufen konnte, der noch unbezwingbarer erscheint als der Olymp? Experten sind sich einig, dass für die griechische Tragödie mehrere Umstände verantwortlich sind. Ein Missstand aber ist vielleicht schwerer lösbar als alle anderen: Die Korruption, die Land und Leute fest im Griff hat.
Laut einer Untersuchung von Transparency International zahlt jeder Grieche im Jahr 1.355 Euro Bestechungsgeld. Und zwar nicht nur, um etwa auf der Behörde gegenüber anderen bevorzugt zu werden, sondern selbst dann, wenn es um alltägliche Anliegen wie Führerschein, Operationen in staatlichen Krankenhäusern oder Baugenehmigungen geht. Das Zauberwort heißt "Fakelaki": ein Briefumschlag, der Amtsvorgänge beschleunigt oder überhaupt erst in Gang bringt.
Laut Transparency International hat das "Fakelaki" zuletzt sogar noch an Bedeutung gewonnen. Im privaten Bereich etwa bei Anwälten, Ärzten oder Banken stieg die durchschnittliche Bestechungssumme sogar deutlich, hier zahlten Griechen im Jahr 2009 durchschnittlich 1.671 Euro Bestechungsgeld. Ein Jahr zuvor waren es noch 1.575 Euro. Insgesamt ist die Summe der Bestechungsgelder in nur zwei Jahren um satte 23 Prozent gestiegen.
"Korruption macht uns fertig"
"Wir müssen die Korruption bekämpfen sonst wird sie uns fertig machen," hat Ministerpräsident Giorgos Papandreou im Dezember des letzten Jahres das Kind immerhin beim Namen genannt. Ob das gelingen wird, ist aber fraglich: Jeder vierte junge Mensch ist arbeitslos. Wer Arbeit hat, verdient oft nicht mehr als 700 Euro, und selbst diese Stellen bekommt man nur, wenn man über einflussreiche "Paten" als Fürsprecher verfügt.
Die Korruption ist tief in der griechischen Gesellschaft verwurzelt - und damit nichts, was man über Nacht lösen kann. Das hat die Politik erkannt: "Die Krise beschränkt sich nicht auf unsere Fiskalprobleme", sagt Papandreou. "Sie ist nur die Spitze des Eisbergs." Ein Eisberg, der tatsächlich höher als der Olymp sein dürfte.
(apa/mei)
