Die "stille Sucht": Rund 150.000 Menschen
in Österreich von Medikamenten abhängig
- Psychiater Haller: Sehr "zwiespältige" Suchtform
- Zwischen 1.600 bis 2.400 Todesfälle pro Jahr

·Gesünder leben mit flexiblen Arbeitszeiten
Studie: Positive Wirkung auf Blutdruck und Schlaf
·Spritzen, sniffen und
kiffen nimmt nicht zu
Illegaler Drogenkonsum
in Österreich unverändert
Medikamentenabhängigkeit ist in Österreich weit verbreitet. Betroffen davon dürften mindestens 150.000 Menschen sein. Dabei handelt es sich um eine "zwiespältige" Suchtform, erklärte der Psychiater Reinhard Haller bei der 43. Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Salzburg.
Erwünschte Heilung von Krankheiten oder Linderung von Symptomen stehen im Fall des Falles am Beginn eines Kontinuums, das mit Missbrauch und Abhängigkeit enden kann. "Man spricht von 'rezeptierter Sucht', von 'stiller Sucht', von 'weißer Sucht', von 'vornehmer Sucht', von 'Oberschicht-' oder gar von 'Privatpatienten-Sucht'", sagte Haller mit Hinblick auf das oft sehr diverse Problem.
Jährlich zwischen 1.600 und 2.400 Todesfälle
Kritisch sieht Haller die immer wieder kolportierten Zahlen zu den Arzneimitteln-Süchtigen in Österreich: "Wir haben in Österreich mindestens 150.000 Abhängige. Mir scheint, dass die (oft kolportierte, Anm.) Zahl von 250.000 zu hoch ist. Es gibt pro Jahr rund 30.000 stationäre Aufnahmen wegen Medikamentenzwischenfällen und zwischen 1.600 bis 2.400 Todesfälle."
Frauen häufiger betroffen
Tranquilizer, Schlafmittel, Antidepressiva, Appetitzügler, Parkinson-Mittel, Analgetika, Migränemedikamente, Hustenmittel und sogar Diuretika (Entwässerungsmittel) könnten missbräuchlich verwendet werden oder gar zur Sucht führen. Haller: "Das weibliche Geschlecht ist zwei bis drei Mal häufiger betroffen als das männliche. An erster Stelle stehen die Schmerzmedikamente, dann die Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die Dunkelziffer ist enorm hoch."
(apa/red)
