EU sagt Männerwirtschaft Kampf an: Riesige
Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau
- In Österreich verdienen Frauen ein Viertel weniger
- EU-Kommissarin will Fairness in 5 Jahren durchsetzen

·Frauenbeschäftigung
steigt auf 69 Prozent
Zuwachs allerdings vor allem bei Teilzeitjobs
·"Töchter" dürfen in unsere Bundeshymne
Stürmers Version für Gericht gesetzeskonform
·Frauenpolitik-Ikone Dohnal ist verstorben
Frühere Frauenministerin litt an Herzproblemen
Justizkommissarin Viviane Reding ist alarmiert: Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern haben sich in den vergangenen 15 Jahren in der EU kaum verringert und einigen Ländern sogar noch vergrößert. Im EU-Durchschnitt verdienen Frauen um 18 Prozent weniger als Männer. Die EU-Justizkommissarin kündigte an, diesen Missstand binnen fünf Jahren beheben zu wollen. Auch in Österreich liegt laut NEWS, dem die ersten Ergebnisse des Frauenberichts vorlegen, einiges im Argen: Im Durchschnitt verdienen Männer heirzulande sogar um ein Viertel mehr als Frauen - noch unfairer ist in der EU nur Estland.
Konkrete Details zur Einkommenssituation von Frauen will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Sommer vorlegen, wenn erstmals nach 15 Jahren wieder ein Frauenbericht erscheint. Die ersten Daten zeigen, dass es bei der Gleichstellung von Frauen wenig Fortschritte gegeben hat. Wie NEWS in der aktuellen Ausgabe berichtet, haben Frauen bei der Bildung zwar aufgeholt und sind häufiger erwerbstätig. Die Einkommensschere ging demnach jedoch weiter auf, die Beteiligung von Männern an der unbezahlten Arbeit, etwa im Haushalt, ist außerdem nicht gestiegen.
Laut NEWS hatten 1971 noch rund 70 Prozent der Österreicherinnen nur einen Pflichtschulabschluss, 1991 waren es rund 43,1 Prozent, 2008 nur mehr rund 22,3 Prozent. Im Bereich der Universitäten, Hochschulen und Höheren Schulen haben die Frauen die Männer mittlerweile überholt. Immer mehr Frauen sind außerdem erwerbstätig - der Anteil stieg von rund 62,7 Prozent 1991 auf rund 68,6 Prozent 2008.
Trotzdem hat sich demnach die Einkommensschere vergrößert: Frauen erreichten 2007 rund 58,4 Prozent der Männer-Einkommen, 1998 waren es rund 60,6 Prozent. Rechne man Teilzeit, Überstunden, Prämien und Boni weg, bleibe immer noch ein Unterschied von rund 15 Prozent. Die Teilzeitarbeit bei Frauen hat stark zugenommen: 1992 betrug die Quote rund 20,3 Prozent, 2008 rund 41,5 Prozent. Die Beteiligung der Männer an unbezahlter Arbeit - etwa Haushalt, Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen - ist außerdem so gut wie nicht gestiegen: 1992 wurden diese Tätigkeiten zu rund 69 Prozent von Frauen und rund 31 Prozent von Männern verrichtet, 2009 betrug das Verhältnis 66:34.
Barroso will an fünf Punkten ansetzen
Kommissionspräsident Barroso nannte fünf Schlüsselgrundsätze im Rahmen der neuen europäischen Strategie für Geschlechtergleichheit. Es sind dies die gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu fördern, das Lohngefälle wesentlich zu reduzieren, eine bessere Repräsentanz von Frauen in politischen Rollen, die Ausmerzung jeder Form von Gewalt an Frauen sowie eine Umsetzung der Gleichstellung auch auf internationaler Ebene.
Erfreut zeigte sich Barroso darüber, dass in der Kommission 53 Prozent des Personal Frauen seien. 39 Prozent seien im Verwaltungsbereich tätig, 1998 seien es nur 27 Prozent gewesen. Auch bei der Anzahl von Frauen in höher stehenden Managementpositionen habe sich die Lage verbessert. 1998 sei die Zahl lediglich bei fünf Prozent gelegen, bis 2008 sei sie auf 20 Prozent hochgegangen.
Reding sagte, das Thema Gleichberechtigung müsse "aus der Ecke geholt" werden. Die Gleichstellung müsste systematisch in allen politische Vorschlägen und Maßnahmen mitaufgenommen werden. Es handle sich natürlich auch um einen symbolischen Zeitpunkt angesichts des bevorstehenden Frauentags, nunmehr müsste man die Pläne in konkrete Taten ummünzen.
(apa/red)
