Dienstag, 2. März 2010

GM will für Opel tiefer in die Tasche greifen:
Konzern verdreifacht Finanzhilfe für Tochter

  • Statt 600 Millionen fließen fast 2 Mrd. Euro aus Detroit
  • Opel-Mutter kommt Forderung der EU-Staaten nach

Im Ringen um europäische Staatshilfen hat die General Motors (GM) eine Geste des guten Willens gesetzt: Die Opel-Mutter wird ihren Beitrag für die Sanierung der angeschlagenen Tochter deutlich erhöhen. GM schraubt die geplanten Investitionen in Opel von 600 Millionen Euro auf 1,9 Mrd. hoch. Die Staaten Europas haben damit ihre dringendsten Forderungen durchgesetzt.

Denn der US-Konzern war von Bund und Ländern in Deutschland unter Druck gesetzt worden, für den Umbau Opels einen größeren Beitrag locker zu machen. Die Finanzspritze, die GM nun vorbereitet, wird sowohl als Eigenkapital als auch in Form von Krediten erfolgen.

Die veranschlagten Kosten für die Sanierung erhöhte der Autobauer gleichzeitig um 415 Mio. Euro, so dass insgesamt nun 3,715 Mrd. Euro dafür aufzubringen sind. Opel hatte die Kosten für die Sanierung bisher mit 3,3 Mrd. Euro angegeben - 2,7 Mrd. Euro davon wollte Opel-Chef Nick Reilly bisher von den europäischen Staaten mit Opel-Standort haben. Allein 1,5 Mrd. Euro davon sollten aus Deutschland kommen. Opel will im Zuge der Sanierung rund 8.300 Arbeitsplätze in Europa abbauen, davon mehr als 3.900 in Deutschland. Deshalb hatte es scharfe Kritik am geringen Sanierungsbeitrag von GM gegeben.

Gibt Deutschland Widerstand auf?
Opel habe nach zusätzlicher Unterstützung angefragt, dies sei vom GM-Management positiv beantwortet und vom GM-Verwaltungsrat unterstützt worden, erklärte Reilly. "Nun hoffen wir, dass dieses deutliche Signal als ein wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen gesehen wird, mit Hilfe von Bürgschaften die noch verbleibende Finanzierungslücke überbrücken zu können." Diese Lücke beläuft sich auf 1,815 Mrd. Euro.

Bisher hatte sich vor allem die deutsche Bundesregierung sehr zurückhaltend bei Bürgschaften für Opel gezeigt. Sie hatte erklärt, GM habe beschlossen, Opel nicht zu verkaufen und müsse sich deshalb auch selbst um die Finanzierung der Tochter kümmern. Mit dem höheren Eigenbeitrag dürften die Chancen auf Staatshilfen nun besserstehen.

Die Gefahr einer Opel-Pleite sieht GM mit der Finanzspritze für die kommenden Monate gebannt. Mit der Zusage seien "alle potenziellen Liquiditätsrisiken während der Restrukturierung in diesem Jahr ausgeräumt", hieß es. Insgesamt veranschlagt GM für die Sanierung von Opel wegen des schwierigen Marktumfelds nun 3,7 Mrd. Euro statt 3,3 Mrd. Euro.
(apa/red)

2.3.2010 11:09