Chile zwischen Schlamm und Trümmern: Hunderttausende Menschen sind obdachlos
- Ausmaß der Zerstörung nach Beben & Tsunami groß
- Suche nach Überlebenden geht unermüdlich weiter
Plünderungen und Chaos beherrschen die Straßen
·Schweres Nachbeben
im pazifischen Ozean
Keine Tsunami-Warnung nach Erdbeben in Chile
·Erdbeben in Chile hat Erdachse verschoben
NASA: Dauer eines Tages
würde sich so verkürzen
·US-Experten warnen vor Monster-Beben
Großstädte wie Seattle und Vancouver in Gefahr
·Chile bietet ein
Bild der Zerstörung
Hunderttausende Menschen sind obdachlos

Nach dem Erdbeben und Tsunami-Wellen kommt an der chilenischen Küste allmählich das volle Ausmaß der Tragödie zum Vorschein. Die meisten der 723 geborgenen Todesopfer in Chile kamen im Weinbaugebiet Maule südlich der Hauptstadt Santiago ums Leben, das jetzt von Schlamm und Trümmern übersät ist. Die Suche nach Vermissten wurde durch den Kampf zahlreicher Polizisten gegen Plünderer behindert.
Allein in der Hafenstadt Talcahuano wurden durch die doppelte Katastrophe von Erdstoß und Flutwellen 80 Prozent der 180.000 Einwohner obdachlos, wie Bürgermeister Gaston Saavedra berichtete. Auch der Hafen und die Straßen seien weitgehend zerstört.
Verheerende Flutwelle
Der Tsunami, der auf das Beben folgte, traf offenbar viele Menschen unerwartet. Zum Beispiel Marioli Gatica, die in Talcahuano in einem Holzhaus direkt am Wasser lebte: Als die Erde aufhörte zu beben, habe sie das Radio eingeschaltet, berichtete die zweifache Mutter der Nachrichtenagentur AP. Die Feuerwehr habe allen Überlebenden geraten, nicht vor die Tür zu gehen. Dann sei ihr Haus auf einmal von einer Flutwelle erfasst worden.
"Wir saßen da, und im nächsten Moment waren wir plötzlich unter Wasser und ich sah über mir Kabel und Möbelstücke schwimmen", sagte Gatica. Sie habe versucht, die Hand ihrer elfjährigen Tochter Ninoska festzuhalten, doch die Strömung habe ihr das Mädchen entrissen.
Ninoska überlebte - es gelang ihr, sich an einem Baum festzuhalten. Auch Marioli Gatica selbst, ihr Sohn, ihr Mann und ihr Vater konnten sich retten. Der Tsunami hatte mehrere Schiffscontainer angeschwemmt, die zwar das Holzhaus der Familie zerstörten, zugleich aber verhinderten, dass die Gaticas ins Meer hinausgespült wurden. Mariolis Mutter aber war nach dem Unglück verschwunden.
Suche nach Überlebenden
In der Stadt Concepcion durchsuchten Rettungskräfte weiter die Trümmer eines Mietshauses, das bei dem Beben eingestürzt war. Aus dem 14-stöckigen Gebäude waren Klopfzeichen zu hören. Erschwert wurden die Bergungsarbeiten allerdings durch Plünderungen: Das Bemühen der Polizei, für Ordnung zu sorgen, band kostbare Kräfte. Nach Angaben des Polizeichefs von Concepcion, Eliecer Soler, wurden allein an einem Tag 55 Plünderer festgenommen.
(apa/red)
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