Geistige Reife statt niveauloser Pranger:
Über die Auferstehung der Audimaxisten
- NEWS.at-Kommentar: Der nächste Uni-Protest droht
·Nur Zores mit den Studentenvertretern
Ministerin Karl wird mit "Buh"-Rufen bedacht
·Geistige Reife statt niveauloser Pranger
KOMMENTAR: 'Uni brennt'
feiert Wiederauferstehung
Seit der Räumung des besetzten Audimax der Uni Wien im Dezember ist es recht still um die Uni-Protestbewegung geworden. Nun sind sie aber wieder zum Leben erwacht, die sogenannten Audimaxisten: Beim gestrigen Treffen mit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl in Wien feierte die Uni-brennt-Fraktion eine lautstarke Rückkehr in das Licht der Öffentlichkeit allerdings ohne nennenswerten Widerhall.
Die Ministerin dürfte die neu formierte Bewegung nämlich überhaupt nicht jucken. Die wesentlichen Forderungen von ÖH und ehemaligen Hörsaalbesetzern - freier Uni-Zugang, keine Wiedereinführung der Studiengebühren prallen an Karl förmlich ab. Zwei Schlagworte bringen die Audimaxisten dabei besonders in Rage: Eignungstests und Zugangsbeschränkungen. Die ÖVP-Politikerin plant nämlich, beides in Massenfächern wie etwa Publizistik einzuführen.
Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme, schließlich kämpfen die Unis mit überfüllten Hörsälen und hohen Studienabbrecher-Quoten. Auch Buhrufe und Beflegelungen, wie gestern im zum öffentlichen Pranger für die Ministerin umfunktionierten Semper Depot, können diese Notwendigkeit nicht übertönen. Ein Studium mit einer angemessenen Zahl an Studienplätzen ist allemal vernünftiger als ein Massenstudium, wo die erfolgreiche Anmeldung für ein Seminar fast mehr Freude auslöst als eine bestandene Prüfung.
Mag schon sein, dass die (mehr als holprige) Umstellung auf das einheitliche Bachelor-Master-System Schuld daran ist, dass den österreichischen Hochschulen zunehmend ihr kritischer Geist abhanden kommt. Die Studentenprotestbewegung des Herbstes '09 war in ihren Grundzügen ein erfreuliches Gegenbeispiel dazu. Zu einem kritischen Geist gehört aber auch, Meinungen und Ansichten Andersdenkender zumindest zu respektieren. Die zum Teil niveaulosen Verbalattacken, die gestern von Seiten einiger Studierender auf Ministerin Karl darniederrasselten, waren jedoch alles andere als ein Zeugnis geistiger Reife. Den Hochschul-Dialog zwischen Ministerium und Studierenden abzubrechen, wie von ÖH-Chefin Maurer angedroht, würde es noch schlechter machen.
(jt)
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