Nur Zores mit den Studentenvertretern:
Ministerin Karl wird mit 'Buh'-Rufen bedacht
- Ministerin will Unis bei Lehrplan Vorschriften machen
- Bekenntnis zu Studiengebühren und Einstiegstests

·Nur Zores mit den Studentenvertretern
Ministerin Karl wird mit "Buh"-Rufen bedacht
·Geistige Reife statt niveauloser Pranger
KOMMENTAR: 'Uni brennt'
feiert Wiederauferstehung
Beim ersten Zusammentreffen von Beatrix Karl und der Studentenprotestbewegung haben der Wissenschaftsministerin sowohl die ehemaligen Hörsaalbesetzer als auch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) die Dialogbereitschaft abgesprochen und einen Ausstieg aus dem Hochschuldialog angekündigt. Auf die Forderung der Studenten, die Lehre zu verbessern, kündigte Karl erneut eine Entrümpelung der Studienpläne an. Dafür würden derzeit Empfehlungen an die - eigentlich autonomen - Unis erarbeitet. Sollten diese nicht berücksichtigt werden, kann sich Karl allerdings auch vorstellen, "klare gesetzliche Richtlinien" festzulegen.
Den Hochschuldialog, den Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn infolge der Studentenproteste initiiert hatte, will Karl weiterhin nicht aufgeben. Die Ergebnisse wären "wichtige Empfehlungen für ihr weiteres politisches Handeln", betonte sie. Sie habe auch vor, das Parlament einzubinden.
ÖH-Chefin Sigrid Maurer (GRAS) warf Karl vor, dass ihr Ministerium keinerlei Visionen habe, die Studenten würden die gesamte Arbeit erledigen. Sie erwog wie auch Martina Pfingstl, Senatsvorsitzende an der Akademie der Bildenden Künste und Hörsaalbesetzerin der ersten Stunde, aus dem Dialog auszusteigen.
Unmut über Eignungstests
Karls prinzipielles Bekenntnis zu Studiengebühren wurde von den rund 350 Anwesenden wie zu erwarten mit Buh-Rufen quittiert, ebenso ihre Bekräftigung, dass in Massenfächern Zugangsvoraussetzungen sinnvoll wären. Das Prädikat "Kindergarten" verlieh einer der Anwesenden Karls Vorschlag, dass Studenten in den nicht beschränkten Fächern vor der Inskription einen freiwilligen Eignungstest absolvieren sollen.
Einen Schritt aufeinander zu machten unterdessen Karl und der Vertreter der Lektoren am Podium, Theaterwissenschafter Christian Cargnelli. Die Ministerin sprach sich gegen das Modell der Senior Lecturers aus, bei dem Nachwuchswissenschafter zu einer gewissen Stundenanzahl an Lehre verpflichtet werden. "Da schneiden wir wissenschaftliche Karrieren ab, weil wir sie in die Lehre stecken." Gleichzeitig müsse aber auch die Lehre wieder mehr Wertschätzung an den Unis erfahren.
Die ehemaligen Hörsaalbesetzer, die Karl immer wieder mit Zwischenrufen oder dem Quietschen von Luftballons unterbrachen, forderten unterdessen "mehr Lehrende" und "mehr Geld". Die Ministerin ließ die Anfeindungen relativ entspannt über sich ergehen. Wiederholt wurde auch Karls Qualifikation als Ministerin infrage gestellt, ihr Abgang nach Ende der Veranstaltung wurde von "Rücktritt"-Rufen begleitet.
(apa/red)
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