Zählt auf der WU bald Klasse statt Masse?
Uni-Rektor Badelt will Zugang beschränken
- Nur noch knapp 2.000 Jungstudenten pro Jahr geplant
- SP-Wissenschaftssprecherin befürchtet nun Elite-Uni

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Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien will die Zahl der Studienanfänger stark einschränken. Künftig sollen laut WU-Rektor Christoph Badelt nur noch 2.050 Personen ein Bachelor-Studium an der WU beginnen dürfen, der Durchschnitt der prüfungsaktiven Studenten der vergangenen Jahre. Entsprechende Zugangsbeschränkungen hat die WU im Rahmen des "Notfall-Paragraphen" des Universitätsgesetzes beantragt. Badelt übt scharfe Kritik an der SPÖ, die ankündigt hatte, dem WU-Antrag nicht zustimmen zu wollen. Heuer rechnet die WU mit 7.000 Anfängern.
Badelt betonte, dass die WU nach den Leistungsvereinbarungen eine Kapazität in den Bachelorstudien von knapp 1.300 Plätzen im Studienjahr habe. Da stecke "kein Luxus dahinter", vielmehr würde diese Kapazität in der Studieneingangsphase Lehrveranstaltungsgrößen von durchschnittlich fast 300 Studierenden bedeuten. Tatsächlich liege die Zahl der Studienanfänger im Schnitt der letzten Jahre bei 5.268, im Studienjahr 2008/09 seien es schon über 6.000 gewesen und heuer würden es sicher über 7.000. "Das heißt, dass die Zahl der Anfänger schon mehr als vier Mal so groß ist als die Kapazitäten", so Badelt.
"In einer solchen Situation einer Universität keinen geregelten Zugang zu geben, ihr aber gleichzeitig zu verbieten, in der Studieneingangsphase nach Kapazitäten zu prüfen, ist nicht nur die Quadratur des Kreises, sondern Zynismus", kritisiert der Rektor. Es sei nicht so, dass sich die WU Beschränkungen wünsche, "wir haben sie schon aufgrund der beschränkten Kapazitäten".
Die von der WU beantragte Zahl von 2.050 Studenten "kommt nicht von ungefähr und hat auch den Nukleus einer Lösung in sich". Es handelt sich dabei um die Zahl der prüfungsaktiven Studenten im Durchschnitt der vergangenen drei Jahren. Wobei prüfungsaktiv bedeutet, dass sie im ersten Studienjahr vier Scheine (acht Semesterstunden) erworben haben - der Studienplan sieht 15 Scheine im ersten Jahr vor. Badelt ist überzeugt, dass dies mit dem "Notfall-Paragraphen" 124b im Universitätsgesetz vereinbar ist, wonach bei Zugangsbeschränkungen die Mindestzahl der Studienplätze die durchschnittliche Studentenzahl der letzten drei Jahre in diesem Fach nicht unterschreiten darf. Badelt: "Man kann wohl nicht jemand als Studierenden bezeichnen, der kommt und keine Prüfungen ablegt."
Bummelstudenten als Argument?
"Wir haben eine enorm große Zahl an Studienanfängern, die ganz wenig Prüfungen machen und wo die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Studium abschließen, extrem niedrig ist, die aber die Kapazitäten total blockieren", begründet Badelt diese Maßnahme. Deshalb schlage die WU vor, sich auf jene zu konzentrieren, die wenigstens vier Prüfungen positiv machen und ihnen eine Chance und vernünftige Bedingungen zu geben. Damit ließe sich auch die Absolventenzahl steigern, ist Badelt überzeugt.
SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl kritisierte im "Kurier" den Antrag: "Das Rektorat will offensichtlich aus der WU-Wien eine Elite-Universität machen - was klar ihrem öffentlichen Auftrag widerspricht und zulasten anderer Unis gehen würde." Diese Haltung versteht Badelt nicht: "Nichts zu tun heißt, den Zynismus zum System zu erklären, dass wir jetzt schon über 80 Prozent der Studierenden hinausprüfen müssen. Es kann doch nicht sein, dass sich die SPÖ rühmt, den Hochschulzugang frei zu halten und die Unis dann die Aufgabe haben, vier von fünf wieder hinauszuprüfen." Die Bundesregierung fordert der Rektor auf, nicht länger den Kopf in den Sand zu stecken. Mit mehr Geld könnte man die Situation sicher etwas lindern, "aber das Auseinanderklaffen ist so dramatisch, dass es ohne geregelten Zugang nicht gehen wird".
(apa/red)
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