Häusliche Gewalt in Österreich gestiegen:
In Krisenzeiten wird vermehrt zugeschlagen
- Jede fünfte Frau schon Opfer von Gewalt gewesen
- Frauenhäuser: Viel zu wenig Plätze für Misshandelte
Die Wirtschaftskrise macht sich auch in der Arbeit der Frauenhäuser bemerkbar - familiäre Gewalt steige, vor allem schwere Gewalttaten würden massiv zunehmen, warnt Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser. In den Schutzeinrichtungen gebe es zu wenige Plätze für misshandelte Frauen, gleichzeitig sei man aber derzeit mit "gravierenden Einsparungen" seitens der Bundesländer konfrontiert.
Jede fünfte Frau in Österreich sei einmal im Leben von Gewalt des Partners oder des Ex-Partners betroffen, betonte Rösslhumer. Schätzungen zufolge würden außerdem 30 bis 40 Frauen pro Jahr von ihren Partnern ermordet. Durch die Wirtschaftskrise stiegen sowohl Armut als auch Gewalt in der Familie - Männer hätten größere Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit zu bewältigen, da sie sich oft nicht beraten ließen. "Da staut sich viel auf", erklärte Rösslhumer. Besonders besorgniserregend sei, dass schwere Gewalttaten - also schwere Körperverletzung und Mordversuche - massiv zunehmen würden.
Zu wenig Plätze in Schutzeinrichtungen
Derzeit gibt es laut Rösslhumer in Österreich 30 Frauenhäuser mit 750 Plätzen, wo Frauen maximal ein Jahr bleiben können. "Tatsächlich würden wir mehr brauchen", notwendig wären etwa 830 Plätze. Vor allem in ländlichen Gebieten und den großen Bundesländern fehle ein flächendeckendes Angebot an Schutzeinrichtungen. Immer wieder komme es vor, dass Hilfesuchende abgewiesen werden müssen.
Gleichzeitig sei man aber derzeit mit "gravierenden Einsparungen" seitens der Länder, die hauptsächlich für die Finanzierung der Frauenhäuser zuständig seien, konfrontiert. Eine geplante Schließung des Frauenhauses Hallein in Salzburg habe man zum Glück noch verhindern können, doch "wir merken in allen Bundesländern, dass es knapper wird".
Generell ortet Rösslhumer eine "Geringschätzung" und "Abwertung" der Arbeit der Frauenhäuser. "Wir leisten aber einen sehr wesentlichen Beitrag zur Gesellschaft", immerhin biete man nicht nur Schutz für misshandelte Frauen, sondern beispielsweise auch Rechtsberatung, psychosoziale Beratung, Prozessbegleitung oder Unterstützung bei der Jobsuche. Rösslhumer appelliert an die Politik, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, damit man die Arbeit professionell fortführen könne und nicht jedes Jahr wieder um die Existenz kämpfen müsse.
Um die Gewalt zu mindern, brauche es eine Reihe von Maßnahmen: Einstweilige Verfügungen, Betretungsverbote und Wegweisungen hätten sich grundsätzlich "sehr bewährt". Laut aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes hat es 2009 rund 6.700 Wegweisungen und Betretungsverbote gegeben, fast die Hälfte davon (rund 3.000) in Wien. Jene Gewalttäter, die sich nicht an die Weisungen halten, hätten aber mit keinen strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, kritisierte Rösslhumer, dies müsse geändert werden.
Weiters seien "viel mehr Prävention an Schulen" sowie eine Sensibilisierung von Richtern, Ärzten und Pädagogen nötig. Um betroffenen Migrantinnen, die es oft besonders schwer hätten, besser helfen zu können, fordere man außerdem einen eigenständigen Aufenthaltsstatus von Frauen im Rahmen der Familienzusammenführung, Zugang zu Sozialleistungen und erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt.
(apa/red)
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