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22.2.2010 12:52

Enttäuschende ÖSV-Herren bei Olympia: Toni Giger sieht aber "gute Teilleistungen"

  • Abfahrt, Super-G und Kombination ohne Medaille
  • Benjamin Raich vermisst die Dichte im Team

Drei Rennen, keine Medaille! Während die ÖSV-Damen bei Olympia in den Speed-Rennen mit Super-G-Gold für Andrea Fischbacher und Abfahrts-Bronze durch Elisabeth Görgl positiv überrascht haben, wiesen die Herren nach drei Bewerben mit Speed-Anteilen eine Nullbilanz vor. Bevor in Kanada die Techniker auf den Plan traten, stellte sich Herrenchef Toni Giger der Analyse der bisherigen Schlappe.

Analyse auch deshalb, weil man sich besser auf das Kommende konzentrieren könne, wenn man wisse, was in der Vergangenheit falsch gelaufen sei, sagte der Salzburger, der im bereits elften Jahr als Herrenchef tätig ist. Man müsse aber jeden Läufer für sich beurteilen, betonte Giger. "Nur dann kann man etwas rausholen für die nächsten Rennen."

Skination Österreich?
Laut diesen Analysen haben es die ÖSV-Läufer offenbar bisher zu sehr erzwingen wollen. Der Abfahrts-Vierte Mario Scheiber etwa habe an den falschen Stellen zu viel riskiert und damit Tempo für die Flachstücke verloren, so Giger. Im Falle von Michael Walchhofer sei da einerseits die Knieverletzung des Salzburgers gewesen, auch dem Ex-Weltmeister habe in den wichtigen Passagen aber vor allem der Schwung gefehlt. Giger: "Das ist so wie wenn ein Bobfahrer mitten im Kurs links und rechts anschlägt."

Dass die Skination Österreich mit nur drei Läufern an der Kombination teilgenommen hatte, erklärte Giger so: "Wir haben Verletzte wie Walchhofer, Reichelt oder Rainer Schönfelder." Ein Abfahrtseinsatz von Marcel Hirscher hätte dessen Spezialdisziplinen beeinträchtigt, ist Giger überzeugt. Mario Matt sei längere Zeit ein Thema gewesen, "er will aber nicht mehr auf die Abfahrt gehen. So jemand zu zwingen, wäre verantwortungslos!"

"Gute Teilleistungen"
Unter dem Strich habe man bei Olympia bisher viele gute Teilleistungen verzeichnet. "Wir hatten aber keinen, der in einem Rennen von oben bis unten alles sehr gut gemacht hat." Der Kardinalfehler: "Wir haben bei den Übergängen ins Flache zu viel riskiert und den Schwung nicht mitgenommen." Die Erkenntnis sei wichtig, weil es im Riesentorlauf dieselbe Aufgabenstellung gebe.

Es fehle aber weder an Siegfahrern noch an Persönlichkeiten, beteuerte der Herrenchef, der selbst trotz der augenblicklichen Misere weder amtsmüde ist, Abnützungserscheinungen im Trainerstab erkennt oder schlecht schläft. Nach der Super-G-Schlappe habe er sich aber den Frust "rausschreien" müssen, gestand er.

Analysen im Mäz
Giger wird auch dann nicht vorzeitig das Handtuch werfen, wenn man tatsächlich medaillenlos heimfahren müsste. "Ich betreue die Mannschaft bis zum Ende der Saison, egal was passiert", betonte er. Immerhin sei da auch noch der Weltcup. "Die Kombikugel gehört schon uns und bis auf die Abfahrt ist noch alles offen für uns. Das wird sogar eine der eher guten Saisonen."

Die großen Analysen folgen dann im März. "Es heißt, was uns hierher gebracht hat, wird uns nicht weiter bringen", zitierte Giger einen Spruch und machte klar: "Wir werden alles hinterfragen und zerpflücken - im März. Jetzt macht das keinen Sinn, das lenkt ab." Die erfreulichste Erkenntnis sei: "Läufer, Serviceleute und Trainer halten weiter zusammen, es gibt keine interne Krise."

Keinen Materialvorteil mehr
Das sieht auch Benjamin Raich so. "Die Stimmung ist nicht schlecht", betonte der Doppelolympiasieger von Turin. "Wir müssen jetzt dranbleiben, weiterarbeiten, dann wird sich der Erfolg auch irgendwann wieder einstellen", sagte Raich über die Gesamt-Situation, die freilich auch für ihn neu ist. "Als ich dazukam, hatten Fahrer der ersten Gruppe teilweise nicht einmal einen Startplatz."

Der bald 32-jährige Tiroler glaubt zu wissen, was zur augenblicklichen Situation geführt hat. "Man kann die Zeiten nicht mehr vergleichen. Wir hatten Anfang 2000 auch einen Materialvorteil, da haben jetzt viele aufgeholt. Aber man kann ja niemand verwehren, dass er die Augen aufmacht."

Negative Gedanken werden verbannt
Außerdem habe man einfach nicht mehr Stars in der Fülle von damals, wie sie Andreas Schifferer, Hans Knauß, Fritz Strobl, Hermann Maier, Christian Mayer usw. gewesen seien, betonte Raich. "Das zusammen macht die Situation so, wie sie derzeit ist. Ich habe immer noch sehr gute Leute um mich, es fehlt nur einfach die Dichte. Und Maschinen sind wir auch nicht."

Fehlenden Teamspirit kann Raich hingegen ebenso nicht orten wie angeblich nicht vorhandene Hingabe zum Sport. "Wenn es nicht läuft, ist leicht etwas Negatives gesagt. Jeder der Sport betreibt, weiß, dass es nicht immer oben dahingeht", richtete Raich den Kritikern aus.

Auch Raich wird deshalb während Olympia nicht zu viel nach außen schauen. "Ich informiere mich natürlich im Internet, aber auch nicht zu viel. Wenn ich alle Kritiker höre, komme ich sonst auch noch auf schlechte Gedanken. Ich will mich aber auf das Wesentliche konzentrieren und das ist, Medaillen zu gewinnen."

(apa/red)

22.2.2010 12:52
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