Montag, 22. Februar 2010

Etwa 20 manipulierte Spiele in der Türkei: Wettmafia mit 50 Millionen Euro Gewinn

  • Bereits 77 Verdächtige festgenommen, 36 in U-Haft
  • Spieler und Trainer sollen bestochen worden sein

Die türkische Polizei hat zum bisher größten Schlag gegen die Fußball-Wettmafia im Land von Österreichs EM-Qualifikationsgegner ausgeholt. Seit der vergangenen Woche wurden 77 Verdächtige festgenommen, 36 der Beschuldigten sitzen nach Vernehmungen in Untersuchungshaft. Sie sollen Spieler und Trainer mit Geld bestochen haben und über Internetwetten Millionen Euro mit manipulierten Fußballspielen kassiert haben.

"Für den türkischen Sport ist dies wie ein Krebsgeschwür", sagte Ömer Bedük, Rechtsberater des türkischen Fußballverbandes TFF. "Der Verband unternimmt alles, um Richter und Polizei zu unterstützen. Wir werden Informationen und Dokumente austauschen", erklärte er. "Wir müssen dieses schmutzige Geschäft beenden und sicherstellen, dass es Fair Play gibt."

Beweise beschlagnahmt
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum haben die türkischen Ermittler auf die Spur der Wettmafia im Land gebracht, auch wenn die ermittelnde Polizei in Diyarbakir nun bereits seit acht Monaten Hinweisen nachgehen will. Im November vergangenen Jahres war Europas Fußball von einem Wettskandal erschüttert worden, als die Staatsanwaltschaft Bochum erklärte, dass rund 200 Spiele in mehreren europäischen Ländern unter Manipulationsverdacht stünden.

In der Türkei wurden 35 PC-Computer, 32 Laptops, 36 Mobiltelefone, 4 illegale Waffen, Bargeld und Wettcoupons beschlagnahmt. Die türkische Sportmafia soll das Geschäft auch über illegal betriebene Wettseiten im Internet betrieben haben. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, eine kriminelle Organisation gegründet zu haben. 41 Festgenommene wurden nach den Verhören wieder freigelassen. Seit der vergangenen Woche habe es in insgesamt 13 Provinzen der Türkei Razzien gegeben.

Große Geldsummen
Erste Festnahmen waren aus der Provinz Gaziantep bekannt geworden, wo die Polizei Spieler des Süperlig-Vereins Gaziantepspor und des Clubs Gaziantep Büyüksehir Belediyespor festnahm. Als eine Schlüsselfigur bei Manipulationen werde ein früherer Torwarttrainer von Gaziantepspor verdächtigt, hieß es.

Die internationale Wettmafia soll mit manipulierten Fußballspielen mindestens 50 Millionen Euro illegale Gewinne gemacht haben. Mehmet Aslan, ein Sprecher des offiziellen "Spor Toto" geht weiter und schätzt, dass in der Türkei über die Kanäle der illegalen Wetten bis zu einer Milliarde US-Dollar (740 Mio. Euro) aus dem Land geflossen sein könnten.

(apa/red)

22.2.2010 12:59