Montag, 1. März 2010

"Ein Versehen" macht Quargel zu Killerkäse:
Betrieb gesteht Fehler bei Herstellung ein

  • Magerkäse ohne wirksame Schutzkulturen erzeugt
  • Warn- und Kontrollsystem bei Prolactal hat versagt

Die Ursache für den Listeriose-Befall von in der Steiermark produziertem Magerkäse dürfte gefunden sein. Das Unternehmen Prolactal gab einen betriebsinternen Fehler vom November 2009 zu. Demnach fehlten dem produzierten Käse wirksame Schutzkulturen als sogenannte "Listerienhemmer." Das wurde aber erst später bemerkt. Hinzukam, dass offenbar Dungkäfer die Listerien übertragen haben.

Schutzkulturen werden verwendet, um Listerien, die in Lebensmitteln vorkommen können und in der Regel harmlos sind, abzutöten und deren Nachwachsen zu verhindern. Auch Prolactal verwendete in der Quargelproduktion derartige Kulturen. "Durch ein Versehen" sollen die Schutzkulturen - gesetzlich erlaubte Konservierungsmittel - zweimal ausgetauscht worden sein. Der Austausch erfolgte gegen Kulturen, die offensichtlich keinen ausreichenden Schutz gegen Listerien boten.

Erschwerend kommt hinzu, dass offenbar genau in dieser Phase eine Kontaminierung durch Dungkäfer - Überträger der Listerien - stattfand. Das vermutet zumindest Prolactal. Dungkäfer wurden nämlich bei Untersuchungen nach vereinzelten Listeriennachweisen im Herbst 2009 in UV-Insekten-Fallen entdeckt. Die Käfer waren offenbar trotz engmaschiger Fliegengitter durch ein geöffnetes Fenster ins Innere gelangt.

Vorfall "restlos aufklären"
Als Konsequenz erfolgte in Hartberg die Reinigung und Desinfektion der Produktionsstätte, das Fenster wurde abgedichtet. Danach waren keine Listerien mehr nachweisbar. Dennoch müsse man nunmehr davon ausgehen, dass diese trotz der Maßnahmen noch vorhanden waren, heißt es in der Information. "Es ist bedauerlicherweise nicht auszuschließen, dass Quargel, die keinen wirksamen Listerienhemmer hatten, mit erhöhten Listerienwerten in den Handel gelangten", so Prolactal, das den Vorfall "restlos aufklären" möchte.

Zweifel an den Prolactal-Erklärungen meldet der BZÖ-Politiker Grosz an. Er geht davon aus, dass der Fehler noch nicht gefunden sei, zumal Erkrankungen und Todesfälle schon im Sommer 2009 aufgetreten seien. Die restlose Aufklärung des "Listerien-Skandals" durch Gesundheitsminister Stöger forderte Ingrid Korosec vom ÖVP-Seniorenbund. Durch den Listeriose-Befall sind in Österreich und Deutschland fünf bzw. drei Menschen gestorben.
(apa/red)

1.3.2010 09:06
thaddaeus1947, 28. 02. '10 13:15
Hier lag ein Etikettenschwindel vor!
In der Bild Zeitung wurde die Sache etwas anders zitiert.
Es war hier keine östererichische Milch, sondern holländische Milch in dem Quargel. Nur eines muss man Prolactal, zumindest den Verantwortlichen anlasten. Warum wurde er mit dem Namen als " Steirischer Bauernquargel" mit der Aufschrift versehen? Hier lag klar, eine Irreführung des Kunden vor. a.l.
Vasant, 01. 03. '10 12:23
Re: Hier lag ein Etikettenschwindel vor!
Das Unternehmen gehört sofort geschlossen und eine
unabhängige Behörde sollte hier rasch Maßnahmen zur
Aufklärung durchführen.

Hier sind Menschen zu Tode gekommen und Prolactal
gibt hier "Erklärungen" ab, die man sich aus den Fingern
saugen könnte. Und wenn sogar Politiker wußten, dass
im Sommer 2009 schon Menschen gestorben sind, die
mit diesen Produkten in Verbindung gebracht wurden,
dann frag ich mich warum man nichts unternommen hat?

Der ganze Fall grenzt an eine bodenlose Sauerei, wie
sie wirklich wieder nur mal in Österreich vorkommen
kann. Wie kann sowas in der heutigen Zeit denn noch
passieren?

Fazit: Das Unternehmen gehört schon längst geschlossen!