Zehn Tage neben toter Ehefrau gelebt:
Obersteirer konnte Tod nicht verarbeiten
- Obduktion: Fremdverschulden liegt wohl nicht vor
- Distriktsarzt vernahm sofort einen Verwesungsgeruch

Offenbar nicht wahrhaben wollte ein 68-jähriger Obersteirer den Tod seiner 53-jährigen Ehefrau. Als sie starb, lebte er zehn Tage neben ihrer Leiche, bevor er ärztliche Hilfe aufsuchte. Fremdverschulden dürfte nicht vorliegen, hieß es nach der Obduktion von der Polizei.
Am Faschingswochenende hatte der Mann aus Neumarkt (Bezirk Murau) das letzte Mal mit seiner Ehefrau gesprochen. Er habe sich von ihr mit einem "Gute Nacht" verabschiedet, bevor er sie in der Küche zurückließ und ins Schlafzimmer zu Bett ging. Am Sonntag sei er dann aufgewacht und habe sich gedacht, seine Frau würde noch länger schlafen. Doch sie stand nicht mehr auf. Bis zum Mittwoch habe es gedauert, bis ihm der Tod der 53-Jährigen bewusst war, habe er bei den polizeilichen Einvernahmen gesagt. Sie anzufassen habe er sich nicht getraut.
Der Obersteirer versuchte den Tod seiner Frau zu verdrängen, zumal sie offenbar seine einzige Bezugsperson war: Das Paar lebte laut Exekutive zurückgezogen ohne Fernseher und Telefon, Kinder hatten die beiden keine und auch zu anderen Verwandten bestehe seit Jahren kein Kontakt. Erst am Montag - rund zehn Tage nachdem er seine Frau das letzte Mal gesprochen hatte - rief er bei einer Ärztin an und bat sie zu kommen - er glaube, dass seine Frau tot sei. Die Medizinerin schickte gleich den Distriktsarzt, der in dem Haus sofort den Verwesungsgeruch wahrnahm.
Die Leiche der Frau wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft obduziert. Ein vorläufiges Ergebnis ließ keine Schlüsse auf Fremdverschulden zu, jedoch sei die Verwesung schon weit fortgeschritten gewesen, sodass noch keine sicheren Aussagen getroffen werden könnten. Laboruntersuchungs-Ergebnisse müssten noch abgewartet werden.
(apa/red)
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