Wenn es im Job Fäuste hagelt: Dienstleister
leiden massiv unter Gewalt am Arbeitsplatz
- Kunden sind laut einer Umfrage die häufigsten Täter
- Mobbing und Einschüchterungen sind weit verbreitet

Werden amerikanische und russische Elitesoldaten bald in heimischen Dienstleistungsunternehmen ausgebildet? Profitieren würden sie davon vermutlich durchaus: Ein Job im Dienstleistungsgewerbe ist nämlich nichts für zart Besaitete. Nicht nur, dass der Kontakt mit Kunden schnell ins Auge gehen kann, auch zwischen Kollegen hagelt es schon einmal Fäuste und Beleidigungen. Insgesamt war jeder zweite Beschäftigte schon einmal Opfer von Gewalt. Ohne, dass viel passiert, wie Rudolf Kaske beklagt.
"Gewalt im Job ist ein Tabuthema, viele Betriebe reden nicht darüber", kritisiert der Vorsitzende der Gewerkschaft vida. Laut Umfrage des Instituts für empirische Sozialforschung (Ifes) sind Bedienstete im Verkehrssektor besonders betroffen: 26 Prozent mussten sich dort schon einmal gegen Handgreiflichkeiten wehren - 40 Prozent waren Bedrohungen durch Kunden ausgesetzt und 49 Prozent wurden verspottet.
Die häufigsten Probleme im gesamten Dienstleistungssektor sind Spott (25 Prozent betroffen), Einschüchterung durch Kunden (20 Prozent) und Chefs (15 Prozent) sowie Mobbing (15 Prozent). Auch Ausgrenzung, Bedrohungen durch Kollegen, Erpressung sowie sexuelle Belästigung bzw. Übergriffe stellen ein Problem dar. 62 Prozent waren laut der Umfrage bereits Zeugen von Gewalt am Arbeitsplatz.
Gewalttätige Kunden
Ausgeübt wird diese vor allem von Kunden: Während nur elf und 24 Prozent über Beleidigungen von Vorgesetzten bzw. Kollegen berichteten, schilderten 66 Prozent ähnliche Vorfälle mit Kunden. Diese sind auch eher für Handgreiflichkeiten, sexuelle Äußerungen und Übergriffe oder Einschüchterungen verantwortlich als andere Mitarbeiter. Lediglich im Tourismussektor geht Gewalt vor allem von Kollegen und Vorgesetzten aus.
Ein Problem sieht die Gewerkschaft in der mangelnden Sensibilisierung: Knapp ein Viertel beurteilte Hänseleien in der Umfrage nicht als Gewalt, erklärte Kaske. Eine sehr wichtige Ursache für Gewalt ist laut den Befragten steigender Arbeitsdruck, Angst um den Job sowie schlechter Führungsstil.
(apa/red)
