Donnerstag, 25. Februar 2010

Toyota bekommt Ärger mit US-Regierung:
Wusste Hersteller um Fehler lange Bescheid?

  • Anhörung, Schadenersatz & sinkende Verkaufszahlen
  • Konkurrent GM profitiert von Toyotas Rückruf-Fiasko

Dem Weltmarktführer geht es an den Kragen: Nachdem bekannt wurde, dass Toyota gravierende Probleme mit klemmenden Gaspedalen hat, schießen sich US-Behörden jetzt so richtig auf den japanischen Autobauer ein. Weil der Verdacht im Raum steht, dass Toyota schon länger über den serienmäßigen Defekt Bescheid wusste ohne entsprechende Schritte zu setzen, wollen US-Ermittler nun Einsicht in betriebsinterne Akten nehmen. Doch für Toyota könnte es sogar noch schlimmer kommen: "Wir sind mit Toyota noch lange nicht fertig", droht US-Verkehrsminister Ray LaHood unverhohlen.

Die US-Richtlinien sind im Falle eines schadhaften Auto-Bauteiles klar: Tritt ein Produktionsfehler auf, hat der Hersteller fünf Tage Zeit, offizielle Behörden zu informieren, um entsprechende Schritte wie beispielsweise Rückrufaktionen zu setzen. US-Ermittler haben Toyota nun im Verdacht, diese Regelung missachtet zu haben: Bereits 2008 häuften sich in Europa Kundenbeschwerden wegen klemmender Gaspedale. Toyota behob die Produktionsfehler in den europäischen Werken umgehend. In den USA passierte lange nichts.

Erst als jenseits des Atlantiks tödliche Autounfälle in Verbindung mit klemmenden Toyota-Gaspedalen gebracht wurden und eine Welle der Empörung über den japanischen Hersteller hinweg fegte, rang sich Toyota im Jänner dieses Jahres zu einer groß angelegten Rückrufaktion durch.

Viel zu spät, wie offizielle Regierungsvertreter kritisieren. "Rückrufe sind sehr ernste Angelegenheiten", unterstreicht Verkehrsminister Ray LaHood die Bedeutung der gesetzlichen Regelung. Und droht Toyota eine Millionenstrafe an - wenn sich der Verdacht bestätigen sollte.

GM darf sich freuen
Noch mehr fürchten muss sich Toyota aber vor den Auswirkungen dieser Untersuchungen auf die Öffentlichkeit. Weil in den USA inzwischen 2,3 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen wurden, ist das Image des japanischen Autobauers schwer angeschlagen. An den Börsen hat die Aktie Toyotas seit Ende Jänner ein Fünftel ihres Wertes verloren. Die Rückrufaktion wegen klemmender Gaspedale und inzwischen auch wegen Bremsproblemen beim Modell Prius verschreckt Millionen von Kunden, erstmals seit 2000 verkaufte Toyota im Jänner in den USA weniger als 100.000 Fahrzeuge. Und schließlich scharren Anwälte in den Startlöchern: Erste Millionenforderungen von geschädigten Käufern wurden bereits eingebracht.

Hiobsbotschaften, die in der japanischen Öffentlichkeit für Empörung sorgen. Zumal es auch Gewinner der Pannenserie gibt: Während Toyota angesichts sinkender Absatzzahlen bereits den Betrieb in zwei US-Werke einstellt, freut sich der größte Konkurrent General Motors in den USA über ein Jänner-Umsatzplus von 14 Prozent. Dort ist die amerikanische Regierung, die in der Causa Toyota gegenwärtig das Messer wetzt, übrigens mit Dutzenden Milliarden beteiligt.
(mei)

25.2.2010 11:51
copen, 19. 02. '10 18:26
Schlammschlacht
Aus diesem Artikel kann man ersehen, daß die Politiker und die Medien gemeinsam einen alteingesessenen Konzern ins Schleudern brigen können. Klar, Sicherheit ist sehr wichtig, aber was da abläuft stinkt zu Himmel. Die Qualität hat da nichts damit zu tun. Solang Toyota weniger Autos als GM verkauft hat, war es ruhig. Jetzt versucht man mit unlauteren Mitteln, wieder Boden gut zu machen. Viele dieser "Defekte" sind an anderen Automarken, wie zB die Gaspedale desselben Zulieferers, auch vorhanden. Nur halt weniger Autos, da rentiert sich diese Schlammschlacht nicht.