ÖRV gleicht finanzielle Nachteile aus: Know-how und Erfahrung machen Erfolge möglich
- Eine neue Sprintrodelbahn ist in Bludenz geplant
- Ex-Rodler bringen viel Wissen in den Trainerjob mit

·Damen-Rodeln:
Silber für Reithmayer
Krallt sich olympisches Edelmetall im Einsitzer
·Deutscher Felix Loch
rodelt allen davon
Drei Österreicher landen unter den ersten Zehn
Eine Konzentration der Kräfte kann einen finanziellen Nachteil durchaus ausgleichen. Dies gilt für den österreichischen Rodelverband, der mit Sportdirektor Markus Prock an der Spitze viele ehemalige Weltklasseleute bündelt und so in Sachen Material gegenüber den finanzkräftigen Ländern wie Deutschland nicht hinterherhinkt. Nichtsdestotrotz plant der ÖRV in Bludenz den Bau einer Sprint-Rodelbahn, um sich neben Igls ein zweites Standbein aufzubauen. Geträumt wird von einer weiteren Anlage in der Nähe von Wien. Doch dafür wären freilich finanzielle Mittel erforderlich.
Doch Geld allein macht nicht glücklich. Gute Basisarbeit ist gefragt und natürlich auch Kunstbahnen, die nicht nur Speed, sondern auch fahrerisches Können verlangen. So wie die olympische Bahn im Whistler Sliding Centre. Bei den Doppelsitzern zum Beispiel sind mit den Brüdern Andreas und Wolfgang Linger sowie Tobias und Markus Schiegl beide Olympiaschlitten seit Jahren in der Spitze dabei. Und auch aus dem noch kleineren Lettland präsentierten sich im olympischen Training der Doppelsitzer die Brüder Andris und Juris Sics sehr stark.
Ex-Rodler als Trainer
"Die Letten haben sicher noch weniger Geld als der ÖRV, aber gerade auf dieser Bahn spielt auch die fahrerische Komponente eine ganz wesentliche Rolle", meinte ÖRV-Generalsekretär Christoph Schweiger. Grund für die gute und wettbewerbsfähige Materialentwicklung in Österreich sind für den Funktionär vor allem die früheren Topathleten. "Im ÖRV können wir auf eine traditionell sehr gute Synthese von erfahrenen Rodlern als Trainer mit irrsinnigem Materialverständnis zurückgreifen." Schweiger erwähnte neben Cheftrainer Rene Friedl, einem deutschen Ex-Rodler, auch Robert Manzenreiter und Gerhard Sandbichler.
"Die bringen so viel Know-how mit. Sie können den Forschungsaufwand, den das FES (Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin - Anm.) betreibt, eigentlich kompensieren. Wir in Österreich haben gegenüber Deutschland nicht unbedingt einen Materialnachteil." Das FES ist das technologische Zentrum für Spitzensport in Deutschland und kümmert sich nicht nur um die Eiskanalsportarten, sondern u.a. auch um Eisschnelllauf und auch Sommersportarten wie Schwimmen, Rudern, Leichtathletik oder Radsport. Ziel des Instituts ist die Optimierung des Sportlergeräts.
Windkanaltests an TU Graz
Auch im ÖRV wird freilich im wissenschaftlichen Bereich geforscht, in Innsbruck, teilweise an der TU München. Bei diversen Vergleichen fand man heraus, dass man eigentlich sehr gut dabei ist, erzählt Schweiger. Obligatorische, jährliche Windkanaltests an der TU in Graz, vorwiegend um Rennanzugsmaterialen neu zu testen, runden ein umfangreiches Programm ab. "Es sind im Prinzip diese Hundertstel, die in einem Tausendstelsport wie es Rodeln halt ist, dann oft über Sieg oder Niederlage mitentscheiden."
Neben dem Material spielt der Mensch freilich die größte Rolle. Um Nachwuchs zu akquirieren und dies nicht nur immer im Bereich Innsbruck-Igls (alle Rodler im Nationalteam sind Tiroler), wünscht sich der ÖRV schon seit langem ein zusätzliches Zentrum. Darum hat man ein Projekt in Bludenz ins Auge gefasst, wo eine derzeit nicht künstlich vereiste Kunstbahn existiert. Dort soll eine etwa 800 bis 900 Meter lange Sprintrodelbahn entstehen.
Neue Zentren wären "ein Traum"
"Die Planungen sind weit fortgeschritten. Ich hoffe, dass wir in den nächsten zwei Jahren diese Bahn bauen", so Schweiger. Rund neun bis zehn Kurven soll die Bahn haben, die Kosten sollen fünf bis sechs Millionen Euro betragen. Die Bahn soll aber nicht nur für Rodeln und Skeleton genützt werden, sondern - ähnlich wie schon in Igls - auch touristisch genutzt werden. "Der Traum wäre natürlich, auch in der Nähe von Wien etwas umzusetzen", sagt Schweiger.
In Deutschland gibt es vier bis fünf Zentren, in Österreich derzeit nur eines. "Wenn wir das verdoppeln oder verdreifachen, haben wir auch die Möglichkeit, doppelt oder dreimal so viele Rodlerinnen und Rodler zum Sport zu bringen."
(apa/red)










