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17.2.2010 09:15

Biathlon-Chef Gandler im Interview:
Über Silber-Medaille und Schulterklopfer

  • Gandler hat den Triumph von Österreich aus verfolgt
  • Biathlon-Chef sieht noch weitere Medaillen-Chancen

Tausende Kilometer entfernt freute sich auch Markus Gandler, der ÖSV-Sportdirektor für Biathlon, sehr über die Silbermedaille von Christoph Sumann. Im Gespräch mit der APA sprach er über Genugtuung, sein Fernbleiben von den Olympischen Spielen in Kanada, das "Silber-Rennen" und die weiteren Aussichten seiner Athleten.

Frage: Gratulation zu Silber! Ist es nach all den Schwierigkeiten der vergangenen vier Jahre nicht auch eine große Genugtuung für Sie?

Gandler: "Ja, ich habe immer gesagt, dass man auf solche Sachen am besten sportlich fair antwortet, das haben wir im Biathlon jetzt schon zwei Jahre geschafft. Das heute vom Sumi ist der Höhepunkt, weil es grad jetzt bei Olympia passiert ist. Man trifft sich immer zwei Mal im Leben und es kommt irgendwo zurück, wenn du ehrlich warst."

Frage: Wären Sie nicht doch gerne hier, um dieses Edelmetall zu feiern?

Gandler: "Das war ja meine Entscheidung. Ich freue mich da genauso. Ich muss nicht drüben sitzen im Österreich-Haus und viele Leute treffen. Das ist genau das, was ich nicht wollte."

Frage: Leute, die Ihnen jetzt vielleicht auf die Schulter klopfen und davor ganz anders gesprochen haben?

Gandler: "Deswegen bin ich da geblieben, das war für mich ein Grund. Ich will gewisse Leute gar nicht sehen. Meine schon, aber es bleibt bei Olympia ja nicht dabei. Abgesehen davon: Wen hätte ich daheimlassen sollen, damit ich meine Genugtuung habe, jetzt da drüben zu sein? Ich hätte eine Service-Akkreditierung ergattern gönnen. Ich habe Superleute drüben, das haben sie bewiesen und die sollen jetzt auch feiern. Ich bin sowieso nicht der Feierer."

Frage: Haben Sie Ihren Leuten die Medaille vor dem Rennen noch zugetraut?

Gandler: "Es hat ideal laufen müssen, dann war die Chance da. Es waren schon vorne Leute drin nach dem komischen (ersten-Anm.) Rennen, wo man sich gedacht hat, die werden das nicht alle noch einmal bringen. Gepatzt hat für mich eigentlich der Svendsen und der Simon mit drei Fehlern, da bin ich von null oder maximal einem Fehler ausgegangen. Aber durch die Laufleistung hat Sumi den zweiten Fehler locker in der Loipe kompensiert und die anderen haben auch gepatzt, gerade die Norweger. Björndalen hat er in der dritten Runde schon überholt. Das war auf Messers Schneide. Auch vom Material her hat der Sumi überlebt, dabei hat er überlegt, weil er drei Tage Durchfall gehabt hat, ob er überhaupt startet."

Frage: Es hat Sumann wohl Glück gebracht, dass eines der Olympia-Maskottchen Sumi heißt?

Gandler: "Ich habe das erst mitgekriegt, als die Spiele angefangen haben. Da habe ich mir gedacht, das ist auch kein schlechtes Omen. Mich freut es für ihn brutal, weil ich mit ihm gelaufen bin in Langlaufzeiten. Er war noch jung, ich schon das ältere Modell und wir haben immer einen guten Kontakt gehabt. Es tut mir für Simon auch leid wegen der paar Sekunden."

Frage: Diese Medaille muss keinesfalls die letzte für Österreichs Biathleten bleiben bei diesen Spielen.

Gandler: "Es schaut schon so aus, als wenn noch mehr ginge. Wenn jeder konzentriert an die Sache geht, ist schon noch einiges drin bei jedem der drei weiteren Bewerbe, die noch kommen."

Frage: Mit der Medaille im Talon können die Sportler auch lockerer an die Sache herangehen.

Gandler: "Locker kann nur der Sumi sein. Das ist doch ein Einzelsport. Der Simon hat den vierten Platz stehen, der wird ihn
nicht befriedigen. Er ist in Topform, das hat er bei beiden Rennen bewiesen. Wenn er bei vier Schießanlagen, die die nächsten zwei Bewerbe haben, locker bleibt, ist für ihn auch noch viel drin."

(apa/red)

17.2.2010 09:15
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