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18.2.2010 07:38

"Mein ganzes Leben an Gold gearbeitet":
Lindsey Vonn steht ganz oben am Olymp

  • Abfahrtsolympiasiegerin hat sich Lebenstraum erfüllt
  • Eine folgenschwere Begegnung mit Picabo Street

Gleich in ihrem ersten Rennen bei den Spielen 2010 in Vancouver ist Lindsey Vonn am Olymp angekommen. Mit ihrem Sieg in der Abfahrt hat die Doppelweltmeisterin die Medaille gewonnen, der sie so lange nachläuft. Dass diese gleich auch noch aus Gold war, freute die nun erste Abfahrts-Olympiasiegerin aus den USA umso mehr. "Das war das Gold, für das ich mein ganzes Leben gearbeitet habe. Ich fahre glücklich heim, egal was in den kommenden Tagen noch passiert", war Vonn die Erleichterung deutlich anzusehen.

Vonn ist die aktuell beste Speedskifahrerin der Welt. 31 Weltcuprennen hat sie gewonnen, davon 17 Abfahrten und 9 Super-G. Alleine diesen Winter gewann sie von den sechs Abfahrten vor den Spielen fünf. Und dennoch schien ein Lindsey-Fluch über Großereignissen zu hängen. 2006 blieb sie als Mitfavoritin in Turin nach einem wilden Trainingssturz medaillenlos. Bei der WM 2009 gewann sie zwei Goldene, verletzte sich aber dann schwer am Daumen.

Trotz einer zum Jahreswechsel erlitten Handverletzung feierte Vonn auch im Olympiawinter zunächst Seriensiege, ehe sie sich unmittelbar vor den Spielen mit einer schmerzhaften Schuhrandprellung erneut eine Verletzung zuzog. "Das war das letzte, was ich brauchte", gestand Vonn ein, erneut um ihren Olympiatraum gefürchtet zu haben. "Rund um mich sind plötzlich Mauern eingestürzt, ich war manchmal richtig depressiv", erzählte sie fast drei Stunden nach dem Rennen bei der Pressekonferenz in Whistler.

"Ich hatte höllische Schmerzen"
Sie habe aber versucht, positiv zu bleiben, die vielen Verschiebungen hätten prompt geholfen. "Jemand hat offenbar auf mich geschaut", sagte Vonn mit lächelndem Blick zum Himmel. Ein spezieller Dank galt neben Ehemann Thomas und Coach Alex Hödlmoser auch ihrem österreichischen Betreuerteam des Red-Bull-Projektes. "Ich hatte höllische Schmerzen. Ohne sie und ihre Therapie hätte ich bestimmt nicht in der Abfahrt starten können.

Teamleiter Robert Trenkwalder hatte schon vor den Spielen den Druck geahnt, mit dem Vonn bei den Vancouver-Spielen zurechtkommen muss. "Sie ist die absolute Favoritin. Das werden die schwersten Rennen ihres Lebens", hatte der Tiroler befunden.

Ein weiterer Tiroler feierte nach Vonns Coup in Minnesota. Erich Sailer, in dessen Buck-Hill-Camp Lindsey als kleines Mädchen Skifahren gelernt hatte, lud zur Riesenparty. "Da geht es heute rund, Lindsey ist immer noch ein Minnesota-Girl", versichert eine extra angereiste Journalistin.

Dasselbe galt wohl auch für Vail/Colorado, wo Vonn nun trainiert und wohnt. Und Zell am See, wo die "halbe Österreicherin" (Vonn) nun mit dem US-Team ihr Wintercamp hat. Nur ihren in Kirchberg lebenden Kühen dürfte der Sieg relativ egal gewesen sein.

Eine folgenschwere Begegnung
Mit neun Jahren hatte Lindsey Kildow in einem Skishop in Minnesota ihr Vorbild Picabo Street getroffen. "Diese Begegnung hat alles verändert", berichtete sie. "Seit diesem Tag will ich Olympiasiegerin werden!" 16 Jahre später ist sie es. Und sie ist auch deshalb so ideal in dieser Rolle, weil sie als Bürgerin eines Landes, in dem Skirennfahren nur bei Olympia Wichtigkeit erlangt, ihren Sport wie keine andere promotet.

Jetzt kann Vonn, die vergangenes Jahr durch US-TV-Shows tingelte, Mode-Shootings absolvierte, hochkarätige Sponsorverträge unterschrieb und kurz vor den Spielen in der Bikini-Nummer von Sports Illustrated für Aufsehen sorgte, endlich beginnen zu ernten. "Das war heute nicht nur ein großer Tag für den US-, sondern für den Skisport insgesamt", befand sie deshalb auch selbst.

Es kann freilich noch viel mehr werden, denn auch in Super-Kombi und Super-G galt Vonn als Medaillenanwärterin. "Abfahrtsgold war die Medaille, die ich wollte. Jetzt ist der ganze Druck weg, ich kann mich wieder aufs Skifahren konzentrieren", unterstrich die frischgebackene Olympiasiegerin, wie viel Druck auf ihr gelastet hatte.

Der Lauf "war einfach gut genug"
Die Verletzung, die Riesenschmerzen, der rippigste Kurs, auf dem sie je gefahren sei. Alles zusammen Umstände, "die den Sieg besonders süß gemacht haben", sagte sie zufrieden. Ihr Lauf sei aggressiv, aber nicht perfekt gewesen. "Er war einfach gut genug. Als ich im Ziel meinen Namen und die eins sah, das war das beste Gefühl, das ich je hatte. Jetzt bin ich absolut glücklich."

Der US-Doppelsieg durch Vonn und Julia Mancuso ("Lindsey ist eine Perfektionistin") warf einmal mehr die Frage auf, warum US-Sportler am Tag X speziell unter Druck ihre Bestleistung abrufen können. "Wir sind am Wettkampftag so gut, weil wir zielstrebige und willensstarke Freigeister sind", erklärte Vonn.

(apa/red)

18.2.2010 07:38
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