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18.2.2010 07:39

Görgl erobert Bronze in Damen-Abfahrt:
Nur American Express bei Olympia zu schnell

  • US-Doppelpack: Vonn gewinnt vor Mancuso & Görgl
  • Fischbacher Vierte. Viele Stürze überschatten Rennen

Angesagte Siege finden selten statt! Nicht aber, wenn es um Lindsey Vonn und die Abfahrt geht. Während die US-Topfavoritin trotz Beinverletzung und brutaler Rumpelpiste das von schweren Stürzen geprägte Olympia-Rennen in der Königsdisziplin überlegen mit 0,56 Sekunden Vorsprung auf ihre US-Landsfrau Julia Mancuso gewann, holte Elisabeth Görgl als Dritte mit Bronze die erste Alpin-Medaille dieser Spiele für Österreich. Andrea Fischbacher lag als Vierte nur 3/100 dahinter.

Seit Jahren dominiert Lindsey Vonn die Speed-Rennen im Weltcup, alleine in diesem Winter hatte sie von den sechs Abfahrten vor den Spielen fünf gewonnen. Lediglich zwei Dinge hatten den sicher scheinenden Olympiasieg der überragenden Favoritin zuletzt aber doch etwas fraglich erscheinen lassen. Zunächst wurde sie bei der Generalprobe in St. Moritz von ihrer Busenfreundin Maria Riesch besiegt, unmittelbar vor den Spielen zog sie sich zudem im Slalomtraining eine schwere Schienbeinprellung zu, die sie über eine Woche lang vom Skifahren abgehalten hatte.

Aber offenbar hat Vonn derzeit sogar "Mutter Natur" auf ihrer Seite. Das anhaltende Schlechtwetter am Olympia-Schauplatz Whistler hatte dafür gesorgt, dass nicht nur einige Trainings verschoben wurden, sondern das erste Damen-Rennen erst am Mittwoch statt schon am Sonntag über die Bühne ging. Zeit, die Vonn zur Gesundung perfekt nützte.

Vonn Extraklasse
Denn in der Abfahrt bewies Vonn bei erstmals strahlendem Sonnenschein am Whistler Mountain ihre Extraklasse. Sie toppte trotz ihrer Probleme die überraschende Bestzeit der seit 2007 im Weltcup sieglosen Riesentorlauf-Olympiasiegerin Mancuso und schritt mit Tränen in den Augen zum ersten Interview, nachdem Anja Pärson mit einem bösen Sturz nach 60-m-Satz ihre Medaillen-Chance vergeben hatte und auch Riesch als Achte überraschend klar zurückgeblieben war.

Während Vonn endlich ihre so heiß ersehnte und erste Olympia-Medaille gleich in Gold abholte, war für Österreichs bisher schwer geprügelte Abfahrtsdamen der erste Saison-Podestplatz auf der schwersten Abfahrt dieses Winters gleichbedeutend mit Olympia-Bronze für Görgl. Auch die Steirerin war fassungslos ob ihrer ersten Olympiamedaille, mit der sie drei Tage vor dem 29. Geburtstag ihr zweites Edelmetall bei Großereignissen holte, nachdem sie vor einem Jahr auch in der WM-Superkombi Platz drei belegt hatte.

Auch der Riesenabstand auf Vonn und der hauchdünne Vorsprung von nur 3/100 auf die schwer enttäuschte Teamkollegin Fischbacher ("Ein blöder Fehler im unteren Teil. So knapp, das ist ein bisserl hart") konnte die Freude bei der in Innsbruck lebenden Kapfenbergerin nicht trüben. "Es war eine Fahrt mit voller Attacke, aber ich habe nicht alle Passagen optimal erwischt", sagte Görgl und erklärte ihre Tränen. "Anja wäre ohne Sturz sicher vor mir gewesen, davon habe ich profitiert."

"Ein Riesentraum"
Der schwere Sturz der Schwedin habe ihr die Tränen in die Augen getrieben, so Görgl. "Ich hatte keinen perfekten Lauf und bin deshalb sehr, sehr glücklich, dass das fürs Podium gereicht hat. Es war ein Riesentraum, eine Medaille zu machen, aber ich weiß, dass sogar noch mehr möglich gewesen wäre."

Die Abfahrtsdamen wurden bei strahlendem Sonnenschein von der extrem anspruchsvollen, rumpeligen und gegenüber dem Training deutlich härteren Piste bis aufs Letzte gefordert. So stürzte die Schweizerin Dominique Gisin am Zielsprung und wurde anschließend von einer Welle in den Zielraum geschleudert, wo sie benommen liegenblieb und verarztet werden musste.

Dann zerriss es schon vor dem Zielsprung die Italienerin Daniela Merighetti, ehe Pärson ihren unglaublichen Abflug machte. Mit hoher Startnummer 35 stürzte auch die Rumänin Edit Miklos schwer, musste im Netz liegend erstversorgt und anschließend mit dem Helikopter ins Krankenhaus geflogen werden.
(apa/red)

18.2.2010 07:39
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