Donnerstag, 18. Februar 2010

Coach Huub Stevens "weiß, was zu tun ist":
Bullen starten in die Europaleague-KO-Phase

  • Red Bull Salzburg ist zu Gast bei Standard Lüttich
  • Gruppenphase vergessen: "Beginnen wieder bei null"

Nach der makellosen Gruppenphase mit sechs Siegen wird es für Österreichs letzten Europacup-Vertreter heute in der K.o.-Phase der Europa League ernst. Salzburg trifft um 19.00 Uhr (live Puls 4 und Sky) im Sechzehntelfinal-Hinspiel auf Belgiens Meister Standard Lüttich. "Das wird ein harter Gang", meinte Salzburgs Sportchef Dietmar Beiersdorfer vor dem Abflug.

"Lüttich ist eine europacuperfahrene Mannschaft mit starken Einzelspielern, die jederzeit ein Spiel entscheiden können", so Beiersdorfer. Herausragend bei den Belgiern sind vor allem die beiden Mittelfeld-Jungstars Steven Defour (21, bereits seit zweieinhalb Jahren Kapitän) und Axel Witsel (20, Belgiens "Enfant terrible") sowie die beiden Stürmer Dieumerci Mbokani (24) und Milan Jovanovic (28). "Wir werden in beiden Spielen über uns hinauswachsen müssen, um weiterzukommen", erklärte Beiersdorfer.

"Ich weiß, was zu tun ist"
Salzburgs Trainer Huub Stevens weiß, wie man Europacup-Erfolge einfährt. Das zeigt der Niederländer aktuell mit Marc Janko und Co., und das hat Stevens auch in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Als Spieler gewann Stevens 1978 mit dem PSV Eindhoven den UEFA-Cup, als Trainer gelang ihm 1997 dasselbe Kunststück mit Schalke 04. "Ich weiß, was zu tun ist", ließ Stevens deshalb vor dem Lüttich-Match wissen.

Auf den Lorbeeren der Gruppenphase, in der Villarreal, Lazio Rom und Lewski Sofia jeweils zweimal besiegt und internationale Schlagzeilen gemacht wurden, kann und will sich Salzburg nicht ausruhen. "Das war schön, aber das ist Vergangenheit, wir beginnen wieder bei null", stellte Stevens klar. Einen speziellen Druck sieht Stevens angesichts der K.o.-Duelle nicht. "Der Druck ist immer der gleiche. Es muss in jedem Spiel konzentriert zur Sache gegangen werden."

Lautstarkes Heimpublikum
Dass Standard kurz vor den Duellen mit Salzburg Trainer Laszlo Bölöni gefeuert hat, ist für Stevens weder Vor- noch Nachteil. Der nunmehrige Coach Dominique D'Onofrio arbeitet seit vielen Jahren als Sportdirektor und Interimscoach im Club. "D'Onofrio kennt Standard in- und auswendig. An der Spielphilosophie wird sich nicht sehr viel ändern", so Stevens, der eine sensationelle Atmosphäre im knapp 30.000 Zuschauer fassenden Maurice-Dufrasne-Stadion erwartet. "Die Fans stehen wie eine Wand als zwölfter Mann hinter der Mannschaft."

Ein wenig Brisanz bringt die Tatsache ins Spiel, dass Standards Kapitän und Regisseur Defour ein von Red Bull unterstützter Fußballer ist. Das lässt Stevens kalt. "Das ist gut für Red Bull, betrifft aber das Spiel nicht." Im Herbst war Defour, damals aufgrund eines Wadenbeinbruchs außer Gefecht gesetzt, auf Besuch im Salzburger Stadion gewesen und hatte dort ein 1:1 gegen Ried gesehen. Laut belgischen Medienberichten soll er danach von "belgischem Zweitliganiveau" gesprochen haben.

Salzburger setzen auf Auswärtsstärke
Standard-Stürmer Jovanovic wollte Stevens in seiner Zeit als Eindhoven-Coach zum PSV lotsen, "aber er war zu teuer". Mittlerweile steht der Serbe unmittelbar vor einem Wechsel im Sommer zu Liverpool. Den Pluspunkten der Belgier, in der Liga aktuell nur Vierter, kann Salzburg u.a. eine enorme Auswärtsstärke in der bisherigen Europacup-Saison entgegenhalten. In Dublin (1:0), Zagreb (2:1), Rom (2:1), Villarreal (1:0) und Sofia (1:0) wurde gewonnen, lediglich in Tel Aviv gegen Haifa (0:3) verloren.

Der bis dato letzte Aufstieg eines österreichischen Teams gegen einen Vertreter aus Belgien ist allerdings lange her, in der 1. Runde des UEFA Cups 1996/97 warf der GAK dank der Auswärtstorregel Ekeren aus dem Bewerb.


Standard Lüttich - FC Salzburg:
(Lüttich, Maurice-Dufrasne-Stadion,
Donnerstag, 19.00 Uhr/live Puls 4 und Sky, SR Balaj/ROM)

Standard: Bolat - Marcos Camozzato, Sarr/Victor Ramos, Mangala, Pocognoli - W. Dalmat, Defour, Nicaise, Witsel - Jovanovic, Mbokani/De Camargo
Ersatz: Van Hout - Felipe, Collet, Gershon, Goreux, Mulemo, Martins, Angeli, Dufer, Bi Cyriac, Grozav, Traore
Es fehlt: Carcela-Gonzalez (gesperrt), Daerden (nicht spielberechtigt)

Salzburg: Gustafsson - Schwegler, Afolabi, Sekagya, Ulmer - Tchoyi, Leitgeb, Opdam/Schiemer, Svento - Wallner, Janko
Ersatz: Arzberger - Pokrivac, Cziommer, Vladavic, Nelisse, Zickler, Augustinussen, Dudic
Fraglich: Dudic (krank), Schiemer (Schmerzen im Sprunggelenk)
Es fehlt: Ngwat-Mahop (verletzt), Zickler (krank)


(apa/red)

18.2.2010 07:09