Donnerstag, 18. Februar 2010

Wieder Amoklauf an deutscher Schule:
23-Jähriger tötet Lehrer in Ludwigshafen

  • Mutmaßlicher Täter bereits in Polizeigewahrsam
  • Schüler sah Opfer schwerverletzt im Treppenhaus

Wieder ein tödlicher Amoklauf an einer Schule: Ein 23-Jähriger hat an einer Technischen Berufsschule in Ludwigshafen einen Lehrer offenbar mit Messerstichen getötet. Der mutmaßliche Täter wurde noch an Ort und Stelle festgenommen und umgehend verhört, wie Polizeisprecher Norbert Steitz sagte.

Das Opfer verstarb "im Rahmen der Reanimation", wie der Sprecher sagte. Nach den Angaben eines Schülers unterrichtete der Lehrer an der Berufsschule Malen und Lackieren. Ein weiterer Schüler sagte, bei der Flucht aus dem Gebäude habe er den Lehrer schwer verletzt im Treppenhaus liegen sehen.

Zu der Frage, ob es sich bei dem Täter um einen Schüler oder Ex-Schüler der Berufsschule handelt, machte die Polizei zunächst keine Angaben und verwies auf das laufende Verhör. Zur Art der Waffe sagte Polizeisprecher Michael Lindner: "Keiner ist durch Schüsse verletzt oder getötet worden." Berichte, wonach der junge Mann auch eine Schreckschusspistole bei sich hatte, bestätigte die Polizei zunächst nicht.

Schule rasch geräumt
Laut Polizei ereignete sich die Tat gegen 10.00 Uhr in dem Schulkomplex, der von 3.200 Schülern besucht wird. Allein auf die betroffene Technische Schule gehen 1.500 Schüler. Der Komplex liegt südwestlich der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zur Fachhochschule und weiteren Bildungseinrichtungen. Es sei gelungen, die Schule rasch zu räumen, betonte die Polizei.

Ein Großaufgebot von Einsatzkräften riegelte den Tatort ab. Schüler und Eltern würden psychologisch betreut. Die Durchsuchung des Gebäudes dauerte mehrere Stunden.

Feueralarm ausgelöst
Ein Berufsschüler sagte der örtlichen Zeitung "Rheinpfalz Online": "Wir saßen im Unterricht, als plötzlich jemand bemerkt hat, dass auf dem Gang ein Bengalofeuer brannte. Fünf Minuten später gab es Feueralarm, und wir mussten alle das Gebäude verlassen." Vom eigentlichen Geschehen habe er aber nichts mitbekommen. Das sogenannte Bengalische Feuer, das häufig in Fußballstadien zu sehen ist, ist ein pyrotechnisch erzeugtes Licht, das Entzünden ist nur in Ausnahmefällen erlaubt.

"Spiegel Online" zitierte einen weiteren Schüler mit den Worten, beim Alarm während der zweiten Stunde habe er zunächst an einen Feueralarm gedacht, dann hätten Gerüchte von einem Amoklauf die Runde gemacht.

Die Tat weckt Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden in Baden-Württemberg am 11. März 2009: An diesem Tag hatte der 17-jährige Tim K. in seiner Schule und auf seiner anschließenden Flucht 15 Menschen erschossen, ehe er selbst von der Polizei getötet wurde.

(apa/red)

18.2.2010 14:29