Franz Welser-Möst: ,,Wiener Philharmoniker und ich wurden von Politikern missbraucht"
- NEWS: Offenbar monatelange Scheinverhandlungen
- um die Übernahme der Osterfestspiele geführt

Salzburger Spitzenpolitiker haben im Sommer 2009 offenbar monatelange
Scheinverhandlungen mit den Wiener Philharmonikern und dem Dirigenten Franz Welser-Möst geführt. Wie der künftige Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper in der heute erscheinenden NEWS-Ausgabe erklärt, habe man dreimal (davon zweimal mit Landeshauptfrau Burgstaller) unter höchster Geheimhaltung wegen der Übernahme der Salzburger Osterfestspiele verhandelt.
Die Politiker hätten sich bei dieser Gelegenheit unzufrieden mit dem von den Berliner Philharmonikern bestrittenen Festival gezeigt. Dass dann doch die Berliner gehalten wurden, habe man aus der Zeitung" erfahren.
Welser-Möst, der auf Politikerwunsch ein Konzept erstellte: Daraufhin rief ich Frau Burgstaller an und sagte ihr: Es wäre vollkommen in Ordnung, dass sie sich für die von mir hoch geschätzten Berliner entscheide. Nicht in Ordnung hingegen fände ich die Art des Ablaufs, und das Mindeste wäre eine Entschuldigung. Auf die warten wir heute noch. Wir hatten alle reichlich Zeit aufgewendet, und wäre ich der Salzburger Tradition verpflichtet, hätte ich der Landeshauptfrau eine dicke Rechnung gestellt. (...) Es wurde offenbar ein doppeltes Spiel gespielt. (...) Man hat vielleicht die Philharmoniker und mich missbraucht, um ein anderes Verhandlungsergebnis mit den Berlinern zu erreichen. Die Optik ist jedenfalls schlecht."
Interessant auch Welser-Mösts weitere Ausführungen: Die Landeshauptfrau hat mir im August eine Übersicht des Osterfestspiel-Budgets übermittelt, um herauszufinden, ob von unserer Seite aus tatsächlich eine Erhöhung der Subventionen nötig wäre, wie sie ja ständig gefordert wurde und jetzt auch gewährt wird. Clemens Hellsberg und ich haben uns das angesehen. Unser erster Blick fiel auf den Posten von 650.000 Euro für Büroaufwand, und uns ist buchstäblich binnen 30 Sekunden aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann. Das Urteil über allfällige Aufsichtspflichten überlasse ich anderen."
Der Dirigent weiter: Ich habe Frau Burgstaller mitgeteilt, dass wir das locker unter den vorgegebenen finanziellen Rahmenbedingungen machen könnten. Ich habe noch einen bedeutenden Manager beigezogen, und da sind wir draufgekommen, dass das Ganze auch zu niedrigeren Kartenpreisen zu machen wäre. Und da wussten wir von den Malversationen noch gar nichts! Unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse fragt man sich doch, was die Herrschaften schon vor einem Jahr gewusst haben und warum sie so dringlich an uns herangetreten sind."
Welser-Möst zu den Künstlergagen: Sie waren nicht genau aufgeschlüsselt, aber der Betrag kam mir sehr hoch vor." Mit den Wiener Philharmonikern hätte man eine solche Summe nicht benötigt.
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