Montag, 15. Februar 2010

Beim Bundesheer herrscht Zwietracht: Offiziere üben scharfe Kritik an Führung

  • "Gravierende Mängel im System" werden geortet
  • Kritik am Assistenzeinsatz im Grenzraum wächst

Zwischen der Bundesheerführung und den heeresinternen Kritikern wird die Stimmung schlechter. Zuletzt wurden neuerlich Unfreundlichkeiten ausgetauscht. Die Offiziersgesellschaft, die in letzter Zeit immer wieder Missstände angeprangert hat, bekräftigte in einem Offenen Brief an Generalstabschef Edmund Entacher ihre Kritik und wies die diesbezügliche Rüge Entachers zurück.

In dem Brief, der der APA vorliegt, ist von "gravierenden Mängeln im System" und einer ernsten Lage die Rede. Der Präsident der Offiziersgesellschaft, Eduard Paulus, meint darin, er müsse "seit Monaten mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass nach Auffassung maßgebender Führungskräfte beim österreichischen Bundesheer alles in allerbester Ordnung ist, auch wenn seit fünf Jahren keine Volltruppenübungen stattfinden, das Heer auf nur mehr 5.000 bis 10.000 sofort einsetzbare Soldaten heruntergefahren wurde, viele Kasernen eine Schande für die Republik sind und unsere Grundwehrdiener zum Teil immer noch in 48-Mann-Schlafsälen hausen müssen".

Breite Kritik am Assistenzeinsatz
Paulus kritisiert auch den umstrittenen Assistenzeinsatz im Grenzraum. Dieser habe 20 Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhangs "angesichts des Aufwandes seinen Sinn und seine Rechtfertigung verloren".

Das Schreiben ist eine Antwort auf einen Brief Entachers, in dem der Generalstabschef Paulus' Aussagen zum Zustand des Bundesheeres rügte. Diese hätten "zu einer irreführenden Stimmung bzw. zu falschen Interpretationen in den Medien geführt, die für das Bundesheer sehr schädlich sein können". Das Bundesheer sei "für die ihm gestellten Aufgaben einsatzbereit".

Finanzstaatssekretär Lopatka beharrt auf der Beendigung des Bundesheer-Assistenzeinsatzes im östlichen Grenzraum. Er argumentiert auf "derstandard.at" damit, dass der Einsatz 38 Millionen Euro koste und eine "enorme psychische Herausforderung" für die Grundwehrdiener darstelle, die "in den letzten zwei Jahrzehnten zu 23 Selbstmorden geführt" habe.

(apa/red)

15.2.2010 14:25