Esskultur in Europas Kulturhauptstadt:
NEWS macht einen Abstecher nach Pécs
- Die alte Weinstadt ist für ein Gaumenabenteuer gut
- Csárdas-Köche: Schmausen wie die alten Schwaben
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Es ist nicht ganz leicht, von Österreich nach Pécs zu finden. Hinweistafeln auf die europäische Kulturhauptstadt 2010 im Süden Ungarns finden sich auf der 400 Kilometer langen Strecke so gut wie keine. Fast könnte man meinen, die Stadt hielte sich aus Angst, überrannt zu werden, inmitten lieblicher Weinberge verschanzt.
Dabei hat Pécs neben den besten Rotweinen Ungarns (aus der Nachbargemeinde Villány) allerlei zu bieten: etwa Ungarns größte (nach dem Abzug des Sultans längst wieder christianisierte) Moschee, einen eindrucksvollen Dom, den Zsólnaybrunnen mit leuchtend grün glasierten Ochsenköpfen und eine malerische Altstadt. Deren Antlitz mutet teils orientalisch an, wurde jedoch auch vom Jugendstil und den hier ansässigen Donauschwaben geprägt. Erstaunlich viele Spitzenwinzer aus Villány tragen heute noch Namen wie Bock, Mayer, Hummel oder Wunderlich. Und ein bisschen Deutsch versteht fast jeder.
Kulinarischer Schmelztiegel
Das hungaro-deutsch-türkische Völkergemisch prägt bis heute auch die Pécser Küche. Wer sich ihr vorsichtig annähern möchte, der beginne mit ihrer Erkundung am besten im Restaurant Corso in der Fußgängerzone der Király utca gleich neben dem Nationaltheater. Das Restaurant im ersten Stock könnte, wie es ist, auch in New York oder London liegen,
und auch stilistisch sowie in Sachen Weinkultur lehnt man sich weit in Richtung Westen hinaus. Mitunter auch ein wenig zu weit. Denn die bretonische Rotbarbe hatte einen schmeckbar langen Anmarsch hinter sich, ein Zander aus dem Plattensee wäre frischer gewesen. Auf der Habenseite stehen hingegen der höchst charmante Sommelier, eine Komposition von saftiger Gänsekeule und hauchzarter Gansleber und ein Wildschweinbraten in Schoko-Rotwein-Reduktion.
Bei den Csárdas-Köchen
Wer wissen will, wie man in Pécs wirklich isst, der fahre hingegen ein paar Kilometer stadtauswärts in Richtung Villány und kehre in der Tenkes Csárda ein. Furchtlose bestellen hier kaltes eingelegtes Kalbshirn mit Röstzwiebeln und Cognac oder Kaldaunenpörkölt mit Schweinshaxeln. Ein absolutes Muss ist das vorzügliche Wallerpörkölt mit hausgemachten Topfenfleckerln. Je nach Appetit kann man auf Vorbestellung auch einen Gänseschlachtbraten (u. a. mit gefülltem Hals
und gebratener Leber) oder eine mit Krautzweckerln gefüllte Ente verspeisen, bevor man sich ans Dessert macht, das aus hervorragenden (aber von ihren österreichischen Verwandten völlig verschiedenen) Topfenknödeln oder Topfenfleckerln mit gebratenem Speck und Zucker (!) bestehen kann. Ähnlich, wenn auch etwas touristischer speist man im Bagolyvár, was nicht zufällig Eulennest heißt.
Schmausen wie die alten Schwaben
Seit über hundert Jahren besitzt Pécs mit dem Tettye auch ein bekanntes Restaurant mit donauschwäbischer Küche. Authentisch (sprich: reichlich bis überreichlich) präsentiert sich in dem nicht allzu gemütlichen Speisesaal auch die Karte. Hier locken Bohneneintopf mit Kraut und Räucherschinken, knusprige Gänsebrust mit Krumpirn, ein gespickter und geflochtener Truthahnzopf sowie ein echtes schwäbisches Peisli, eine Beuschelvariante mit Herz, Leber, Lunge und Schweinefleisch alles in allem eher etwas für Kulinarhistoriker als für Gourmets.
Enoteca Corso, 7621 Pécs, Király u. 14,
Tel.: 0036/72/525198, www.susogo.hu
Tenkes Csárda, 7811 Csarnóta, Kültelek 011 hrsz.,
Tel.: 0036/72/42 40 57, www.tenkescsarda.hu
Bagolyvár, 7627 Pécs, Felsöhavi dülö 6, Tel.: 0036/72/21 13 33
Tettye, 7627 Pécs, Tettye Tér 4,
Tel.: 0036/72/53 27 88, www.tettye.hu
Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen NEWS 05/10!
