Dienstag, 13. April 2010

Faszination 3D zwischen Hype und Zukunft:
Wie 3D-Fernsehen tickt und was es kann

  • Komplett neues Equipment für räumliche Inhalte nötig
  • Etablierung ist erst in ein paar Jahren zu erwarten

Wenn ein Thema die heurige CES beherrschte, dann war es „3D“. Nachdem den Erfolgen von "Avatar" ist klar: 3D-Filme sind Publikumsmagneten. Was liegt daher näher, als die 3D-Technik auch für den Heimgebrauch anzubieten? Genau das möchten zahlreiche große Hersteller, allen voran Panasonic, Sony, LG und Samsung, in diesem Jahr tun, weshalb sie in den kommenden Monaten mit einer Vielzahl an 3D-Produkten an den Start gehen. Doch nicht alle Unterhaltungselektronik-Riesen beteiligen sich am 3D-Hype; Philips und Sharp etwa warten vorerst noch ab und wollen zunächst beobachten, wie sich der 3D-Markt entwickelt.

Bevor man sich 3D-Geräte anschafft, sollte man sich fragen, was man überhaupt in 3D sehen kann. Während in Amerika in diesem Jahr bereits die ersten 3D-Fernsehsender in Betrieb gehen sollen, hat man es hierzulande noch nicht einmal geschafft, vollständig auf hochauflösendes HDTV umzusteigen. In den nächsten Jahren dürften 3D-Blu-ray-Filme und -Computerspiele somit die einzigen Möglichkeiten bleiben, räumliche Inhalte zu betrachten.

Alles neu
Neben einem 3D-Blu-ray-Player benötigt man auch ein 3D-fähiges Fernsehgerät samt Shutterbrille oder einen 3D-Beamer. Während 3D-Projektoren im Kino mit Polarisationsbrillen arbeiten, kommen zuhause sowohl bei Fernsehern als auch bei Beamern vorerst nur Shutterbrillen zum Einsatz (Beim Shutterverfahren werden alternierend Bilder fürs linke und fürs rechte Auge ausgestrahlt, die Brille dunkelt im gleichen Takt jeweils ein Brillenglas ab. ). Wer einen AV-Receiver zwischenschaltet und 3D-Filme ansehen möchte, muss aller Voraussicht nach auch diesen ersetzen – nur neue Geräte mit HDMI-1.4-Anschlüssen können räumliche Videos in 1.080p-Full-HD-Qualität weiterleiten. Eine komplette Geräteneuanschaffung ist somit erforderlich.

Es geht auch mit Update
So wie es derzeit aussieht, wird die PlayStation 3 im Sommer per Firmware-Update 3D-kompatibel gemacht. Solche Lösungen, die auch mit HDMI-1.3-Geräten funktionieren, werden wahrscheinlich entweder mit reduzierter Auflösung oder mit 1.080i-Halbbildern arbeiten – ob abgesehen von der PlayStation 3 noch andere Geräte mit HDMI 1.3 3D-Inhalte unterstützen werden, ist noch unklar. Wer Böses denkt, könnte durchaus auf die Idee kommen, dass sich die Hersteller damit zurückhalten werden – schließlich will man ja in erster Linie neue Geräte an den Mann bringen.

Probleme
Allen Behauptungen seitens der Industrie und einiger Hollywood-Produzenten zum Trotz ist die heutige 3D-Technologie nicht perfekt. Je nach persönlicher Sehkraft und Wahrnehmung empfindet sie jeder anders. Durch das Abdunkeln der Brillengläser kommt beim Zuschauer nur die halbe Helligkeit an. Trotz Erhöhung der Leuchtstärke wirkt das Bild dunkler als in 2D. Auch der Bildeindruck ist nicht so ruhig wie der bei 2D-Filmen, manche Menschen sehen gerade bei schnellen Bewegungen ein Ruckeln. Auch mit dem Fokussieren ist das so eine Sache. Während man in der realen Welt gewohnt ist, selber auf bestimmte Entfernungen „scharf zu stellen“, wird einem dies bei 3D-Filmen vorgegeben – wer auf eine andere Stelle als die vorgesehene schaut, bekommt nur unscharfe Objekte zu Gesicht. Vor allem Brillenträger stören sich an der zusätzlichen Brille, wobei Shutterbrillen noch mehr Gewicht auf die Waage bringen als Polarisationsbrillen. Auch Kopfweh reiht sich gelegentlich in die Liste der möglichen Begleiterscheinungen ein.

Abgesehen davon nehmen einige Zuschauer den räumlichen Effekt kaum oder gar nicht wahr. Was sich wie ein Beipackzettel mit Hinweisen auf Nebenwirkungen liest, ist auch in der Praxis so. Ein Großteil der Seher dürfte davon nichts mitbekommen und vom räumlichen Eindruck begeistert sein, manchem kann der eine oder andere Nebeneffekt den Spaß jedoch verderben. Wer weiß, womöglich muss sich das Gehirn erst an den neuen Seheindruck gewöhnen, und zusammen mit der sich kontinuierlich weiterentwickelnden Technik könnte 3D-Fernsehen eines Tages ganz ohne Nachteile möglich sein.

Aussichten
So groß der Hype um 3D auch sein mag – wie es derzeit aussieht, wird es zumindest in unseren Breitengraden vorerst ein Nischendasein führen. Abgesehen von technikbegeisterten Filmfans, die gewillt sind, schon wieder in neue Geräte zu investieren, wird diese Technik eine Randerscheinung bleiben. Erst wenn der Großteil der Filme nicht nur in 2D, sondern auch in 3D verfügbar ist und 3D-Fernsehsender im Regelbetrieb arbeiten, darf man mit einem Durchbruch rechnen. Wenn man sich allerdings die HDTV-Entwicklung ansieht, kann man erahnen, dass das noch einige Jahre dauern wird…

(E-MEDIA/Putnik)

13.4.2010 16:43
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