Heinz Sichrovsky über ein Volksopern-Wunder
- Glänzende ,Entführung inmitten der Mozart-Krise
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Da wird, auch meinerseits, viel über den musikalischen Zustand der Volksoper lamentiert. Und dann hört man dort inmitten der allgemeinen Mozart-Krise eine Entführung aus dem Serail, wie sie besser dirigiert heute nicht vorstellbar ist.
Der Österreicher Sascha Goetzel interessiert sich nur für die Wahrheit des aufregenden Werks. Extreme Tempi, anderswo Ausdruck eitler Inkompetenz, erklären sich da von selbst. Von der Originalklangbewegung holt er sich, was ihm nützt. Seine größte Obsorge gilt den Holzbläsern eine moderne Böhm-Flöte kann da das keusche Farbenspiel einer Traversflöte annehmen , die sich spannend am rauen Streicherklang reiben. Auch besetzen kann die Volksoper: Belmonte (Daniel Behle), Blondchen (Andrea Bogner) und Osmin (Gregory Frank) sogar erstklassig. Kristiane Kaisers Konstanze bemüht achtbar ihre Grenzen, den eingesprungenen Pedrillo Karl-Michael Ebner quälen die Nerven. Inszeniert wurde sozusagen auch, von einer Dame namens Helen Malkowsky, nachdem der vorgesehene Igor Bauersima das Stück zu weit von der Allgemeinverständlichkeit weg bearbeiten wollte (was für die Volksoper in der Tat kontraproduktiv wäre). Selbst August Zirners Bassa verharrt da nahe der Unauffälligkeit. Schlimm, dass es zwischen Eskapade und mediokrem Arrangement nichts mehr zu geben scheint.
Heinz Sichrovsky
sichrovsky.heinz@news.at
