Busenstar statt Hochkultur: Am Opernball tanzen mehr Sternchen als echte Prominenz
- Austro-Politiker und Künstler trafen auf B-Prominenz
- Wird der Opernball immer mehr zum Kasperltheater?
Ioan Holender verabschiedet sich mit Auftritt vom Ball
·VIDEO: Ein Abschied und viele Ball-Debüts
Holender geht. PLUS: Stars am Red Carpet
·Eröffnung: Holenders Abschiedsständchen
Bohlen: "Wenn das live war, ist er ein Genie!"
·VIDEO: Gottschalk und seine Käsekrainer
So ging's hinter der Oper beim Würstelstand zu
Prächtige Roben, protziger Aufputz bei gemächlichem Eintrudeln der Gäste: 2010 hieß es am 54. Wiener Opernball nach gedämpfter wirtschaftlicher Stimmung im vergangenen Jahr wieder Sehen und Gesehen werden. Trotz allem Glamour tummelten sich mehr Sternchen als Stars auf dem roten Teppich vor dem prächtigen Haus am Ring. Und es stellt sich die Frage: Ist das noch im Sinne des Opernballs?
Im Gegensatz zu Pechvogel Richard Lugner, dessen geplanter Stargast Lindsay Lohan kurz vor dem Ball absagte, schaffte es der englische "Busenstar" Katie Price, Gast des Unternehmerpaares Irene und Alexander Mayer, rechtzeitig zur weltberühmten Tanzveranstaltung. Ihre Ankunft verlief erwartungsgemäß sehr turbulent. Sobald Price ihren Wagen verlassen hatte, waren für die Fotografen und Kamerateams sämtliche Absperrungen ohne Bedeutung. Die Engländerin in hellblauer Robe nahm das Chaos nach anfänglicher Irritation mit Fassung.
Medien-Ansturm auf Busenstar
"Was passiert hier?", fragte Price im ersten Moment verdutzt als eine Traube von Fotografen ihr und ihren Begleiter den Weg abgeschnitten hatten. Die privaten Securities der Engländerin sorgten allerdings dafür, dass sie für Opernballverhältnisse relativ unbeschadet in das Sangeshaus gelangen konnte. Zwischendurch hatte Price sogar Zeit für Interviews.
"Ich bin eine Lady und ziehe mich auch wie eine Lady an", sagte die Engländerin vor Journalisten. Ihr "Luder-Image" solle man nicht allzu ernst nehmen. "Glauben sie nicht alles, was sie lesen". Gleichzeitig kündigte sie an, mit ihrem Ehemann nächste Woche wieder nach Wien kommen zu wollen. Partyprinz Marcus von Anhalt schien hingegen ganz in seinem Element: "Ich liebe das hier", meinte er vergnügt.
Gelassener Gottschalk
Für Trubel am Red Carpet sorgte auch der Auftritt von Moderator Thomas Gottschalk. Polizei und seine eigenen Securities hatten einiges zu tun, ihn unbeschadet bis zum Eingang zu befördern. Gottschalk nahm's gelassen und Schritt mit einem Lächeln durch die Menge und sorgte sich vor allem um die übrigen Besucher: "Achtung! Passt doch auf die Dame auf", raunte er den Fotografen zu.
Zu den Gästen zählen in diesem Jahr Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe und seine Begleiterin "Bambi" Nina Bruckner, Ex-Gespielin von Richard Lugner. Es sei ihr erster Opernball, strahlte sie in einem rosa Rüschenkleid. Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe kann vor allem die Eröffnung nicht erwarten. "Dieses Jahr wird es der schönste Opernball, weil meine Cousine unter den Debütanten ist", so der regelmäßige Opernballgeher.
Wird der Opernball zur Farce?
Bei so viel B-Prominenz stellt sich natürlich die Frage, ob dies noch im Sinn des Opernballs ist. Busenstars, Lugner-Szenen - es scheint, als würde es beim Ball der Bälle nur noch ums Auffallen gehen.
Natürlich ließen auch zahlreiche Politiker und Künstler den Ball nicht aus. Dieter Chmelar, FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache mit seiner Sissy, Landespolizeikommandant Karl Mahrer mit seiner Ehefrau, Herbert Prohaska, Birgit Sarata, Harald Serafin, die Komödiantin Cindy aus Marzahn in einem "rosa Barbiekleid" und Sänger Manuel Ortega waren ebenfalls unter den Gästen. Von der Politikerriege erschien rechtzeitig zur Eröffnung Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Josef Pröll und sein Onkel Erwin Pröll, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Außenminister Spindelegger, sowie Justizministerin Bandion-Ortner und die Wiener VP-Chefin Christine Marek.
Letzter Ball für Holender
Für Staatsoperndirektor Ioan Holender war das der letzte Opernball. Er hat sich fulminant von seinem liebsten Hassobjekt verabschiedet. Mit einer Flöte Champagner in der Hand stimmte er das Champagnerlied aus der "Fledermaus" an. Abseits davon dominierten die Tanzveranstaltung die Komponisten Frederic Chopin und Gustav Mahler, denen 2010 anlässlich ihres 200. bzw. 150. Geburtstages gedacht wird. Begleitet wurde das Ballett-Ensemble diesmal von Pianist Krysztof Jablonski, für den ein Flügel mitten aufs Parkett gekarrt wurde.
Generell präsentierte sich der Opernball diesmal als Holender-Familienfest: Sohn Liviu schwebte bei der Eröffnung unter 144 Debütantenpaaren über das Tanzparkett. Bei der Choreographie gab es heuer eine Neuerung: Die Figuren waren auch für die seitlichen Zuseher sichtbar. Bei der Warschauer Polka hüpften die jungen Damen und Herren erstmals durch die Oper.
Oper in Pink getaucht
Das Opernhaus war diesmal in grelles Pink mit rosa- bis lachsfarbenen Rosen gehüllt. Auch die Aufgänge zierten gleichfarbige Sträuße, die Treppen waren zudem mit rotem Stoff gesäumt und der Eingangsbereich mit zart-lilafarbenen Fliederbüschen umrahmt.
Für die Wiener Polizei gestaltete sich der Ballabend übrigens ausgesprochen ruhig, was die Beamten auch auf das nasskalte Winter-Wetter zurückführten. Von Demonstrationen gegen die Veranstaltung war weit und breit keine Spur.
(apa/red)
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