Unsere Steuersünder lieben die Schweiz:
Angeblich 13 Mrd. Euro "schwarz" gebunkert
- Nur 11 Prozent des veranlagten Geldes deklariert
- Fahnder sind internationalem Netzwerk auf der Spur

·Von der Schweiz
bis in die Karibik
NEWS: Die Paradiese der
heimischen Steuersünder
·"Staat profitiert
vom Rechtsbruch"
Debatte um Kauf der
Steuer-CD voll entbrannt
·"Wir gehen an die Grenze des Möglichen"
Steuer-CD: Ankauf für Faymann "bedenklich"
·Bis zu 150 heimische
Sünder auf Steuer-CD
Streit um Bankgeheimnis
wird wieder neu entfacht
·Es geht um viel mehr
Geld als angenommen
Steuer-CD: Fiskus kann große Summe erwarten
Schweiz als Paradies für unsere Steuersünder: Vermögende Österreicher sollen rund 13 Mrd. Euro im Nachbarstaat veranlagt haben, davon sollen ca. 12 Mrd. Euro Schwarzgeld sein.
Insgesamt sollen 587 Mrd. Euro aus der EU veranlagt sein, wobei die Österreicher nur 11 Prozent des Kapitals deklariert haben sollen, während es im EU-Schnitt 16 Prozent waren, berichtete "Der Standard" mit Verweis auf Recherchen des Genfer Unternehmens Helvea.
Mehr Schwarzgeld als angenommen
Bisher war man davon ausgegangen, dass mindestens 30 Prozent der ausländischen Gelder in der Schweiz offiziell versteuert werden. Die Zahlen hat Helvea folgendermaßen errechnet: Als Basis fungierten die Quellensteuereinnahmen, die zu drei Vierteln an die Finanzämter der Herkunftsländer der ausländischen Investoren überwiesen werden. Aus Durchschnittswerten über Portfolioveranlagungen werden Umgehungsprodukte, bei denen die EU-weite Zinsertragssteuer nicht anfällt, eingerechnet. Damit hätten die Experten einmal die Summe der Gelder geschätzt.
Zudem gibt es die Option, die Erträge in die Steuererklärung aufzunehmen. 2007 zählte Helvea 64.516 derartige Fälle. Aus der Häufigkeit dieser Deklarierungen nach Nationalität der Anleger wird in der Untersuchung der Anteil der Schwarzgelder hochgerechnet.
Spur führt zu internationaler Schwarzgeld-Bande
Der Anbieter der Steuer-CD mit Schweizer Bank-Daten, die die deutschen Fahnder um 2,5 Mio. Euro kaufen sollen, ist nach einem Bericht des Magazins "Focus" ein ehemaliger Mitarbeiter einer Firmengruppe mit Hauptsitz in Liechtenstein. Dabei handle es sich um ein Unternehmen, das sich mit der Beratung in Steuerfragen und Geldanlagen sowie mit Vermögensverwaltung befasse, hieß es aus Ermittlerkreisen. Demnach gehen die Fahnder davon aus, dass sich hinter dem Firmenkonglomerat eine international operierende Schwarzgeld-Bande verbirgt.
Der Informant bot dem "Focus"-Bericht zufolge den deutschen Behörden nicht nur die CD mit Daten von Steuersündern zum Kauf an, sondern offenbarte den Fahndern auch, wie die Vermögen deutscher Steuersünder in die Schweiz geschleust werden und welche Personen dabei als Mittelsmänner und Kuriere dienen.
(apa/red)
