"Staat profitiert von Rechtsbruch": Streit
um Ankauf der Steuer-CD ist voll entbrannt

  • Anwaltskammer-Präsident warnt vor Komplizenschaft
  • Deutschland rechnet mit Ertrag von bis zu 400 Mio. €

Der Bär ist noch nicht einmal geschossen und schon wird sein Fell aufgeteilt. Die Debatte über den staatlichen Ankauf einer illegal erstellten CD voller Steuersünder ist in Österreich voll entbrannt - bevor noch überhaupt feststeht, ob Deutschland die Datenbestände nicht ohnehin gratis herausrücken wird. Nach widersprüchlichen Meldungen aus dem Finanzministerium und der Regierung meldet sich nun die Wiener Rechtsanwaltskammer zu Wort - und warnt den Staat vor einer Komplizenschaft mit Kriminellen.

Für Michael Auer, Präsident der Anwaltskammer, ist der Kauf der CD, die ein Schweizer Informatiker illegal mit Material aus den Datenbanken einer Schweizer Großbank befüllte, illegal.

"Es steht dem Staat nicht gut an, sich mit Rechtsbruch auf eine Stufe zu stellen. Es darf und kann nicht sein, dass der Staat vom Rechtsbruch einzelner profitiert ", warnt Auer im Gespräch mit Ö1. Für den Juristen ist aber selbst eine Verwendung der Daten bedenklich, wenn Deutschland, das für die CD 2,5 Millionen Euro springen ließ, den Datenträger kostenlos zur Verfügung stellen sollte: Die Republik müsse laut Auer ihr "gesamtes Tun auf rechtsstaatliches Handeln ausrichten" und dürfe sich "auch indirekt nicht am Rechtsbruch beteiligen".

Ein Rechtsbruch, der für den Fiskus allerdings sehr lukrativ sein dürfte. Bis zu 150 der insgesamt rund 2.000 auf der Daten-CD genannten Personen sind Österreicher. Deutschland, wo sich Bund und Länder die Kosten von 2,5 Millionen Euro für den Ankauf des Datenträgers teilen, rechnet mittlerweile mit einem Ertrag von bis zu 400 Millionen Euro. Die Republik Österreich muss also gut abwägen, ob sie sich mit einer Ablehnung der Daten aus rechtsstaatlichen Gründen keinen Bärendienst erweisen würde.
(mei)

10.2.2010 17:31
Artikel bookmarken bei: ? Hilfe
ichkakmirindiehos, 10. 02. '10 14:08
Was ist das geringere Übel ?
Genau das fragt man sich bei diesem Streit. Soll man sich mit gestohlenen Daten zukünftig eine goldene Nase verdienen ?
Was den aktuellen Fall anbelangt, würde ich als deutscher die Daten kaufen ! Aber wir dürfen die anderen Länder nicht vergessen die dieses System erhalten Kaiman, die englischen Kanal Inseln, etc... ! Dort wird ehrer österreichisches Steuergeld geparkt als in der Schweiz ! Und wenn ist man selber schuld, da erstens wir ein rechtshilfe abkommen mit Deutschland haben und uns diese Daten sowieso Gebührenfrei uns zukommen lassen muss. Zweitens ab 1.1.2011 gibt es auch ein neues Abkommen mit der Schweiz ! siehe differse internet angebote !
Vasant, 10. 02. '10 12:37
Und noch was ...
warum ist denn eine Selbstanzeige dann mildernd? Das
Verbrechen wurde begangen und daher ist dieses auch
mit voller härte und im ganzen Umfang einzufordern!

Da kriegen Steuerhinterzieher eigentlich sogar noch einen
zusätzlichen Schlupfweg durch eine billige Selbstanzeige!

Wer Steuern hinterzieht, der sollte gleich mal in den
Knast und ALLES zurückzahlen und nicht nur einen Teil!
Vasant, 10. 02. '10 12:35
Kaum zu glauben, dass ...
es nun Menschen gibt die sich um den Datenankauf sorgen
machen bzw. diesen als "Verbrechen" darstellen. Das wäre
ja fast so, als ob ich eine Videoaufzeichnung eines z.B.
Bankräubers kritisieren würde, weil ich damit seine
Persönlichkeitsrechte verletze;)

Da haben sich ein paar Reiche noch reicher gemacht und
dank Finanzberater die Gelder eh schon aus dem Land
geschafft und nun will man die auch noch schützen? Also
wenn ein Kleinunternehmer auch nur eine Rechnung
falsch einbucht, dann wird der zerlegt bis zum Abwinken
und die Superreichen die Millionen auf die Seite schaffen
sollen nun "geschützt" werden?

Also "Datenschutz" bei Verbrechern als Argument zu
bringen ist eine schwache Leistung und eigentlich eine
Verarschung der hart arbeitenden ehrlichen Menschen!
Das Wetter morgen: