Montag, 8. Februar 2010

Wird der Euro in Athen zu Grabe getragen?
Schuldenberg gefährdet die Einheitswährung

  • Furcht vor Dominoeffekt greift auf Märkten um sich
  • Spanien & Portugal suchen Schuld bei Spekulanten

Europa im Banne einer griechischen Tragödie. Als ob die Staatsverschuldung des Mittelmeerlandes nicht schon genug wäre, sind nun mit Spanien und Portugal weitere Pleitekandidaten ins Wanken geraten. Die Furcht vor einem Dominoeffekt, der die ganze Währungsunion mit sich reißen könnte, geht um, an den Börsen macht sich Panik breit. Die Schuld dafür suchen die betroffenen Länder aber woanders.

Der griechische Schuldenberg ist so hoch, dass er mittlerweile die Europäische Union überschattet. Die Neuverschuldung von 12,7 Prozent bringt das südeuropäische Land an den Rand der Staatspleite, könnte aber auch fatale Folgen für die gesamte Währungsunion haben: Massive Währungsabwertungen, die früher Staatsbankrotte überwinden halfen, sind seit der Einführung des Euro unmöglich.

"Griechenland ist nicht ein Einzelfall", gibt Regierungschef Giorgos Papandreou zu bedenken. Und hat damit Recht: Portugal, Spanien aber auch Italien und Irland stehen vor ähnlichen Schwierigkeiten. Alle diese Länder weisen Haushaltsdefizite von fünf bis 15 Prozent auf und sind Mitglieder der Währungsunion, für die eigentlich Neuverschuldungsgrenzen von drei Prozent gelten - eben um die Stabilität des Euro, hinter dem die einzelnen Staatshaushalte stehen, zu garantieren.

Tragen Spekulanten Schuld?
Die Einheitswährung gerät dabei immer stärker unter Druck. An den Devisenmärkten ist längst von Panik die Rede, der Euro hat gegenüber dem Dollar seit Dezember fast 20 Cent an Wert verloren. In den betroffenen Ländern sucht man einen Teil der Schuld aber woanders. "Spekulanten suchen nach unserem Land andere Schwachstellen, um dem Euro zu schaden", so Griechenlands Papandreou. Portugals Finanzminister Fernando Teixeira Dos Santos pflichtet bei: "Wir sind die neue Jagdbeute". Auch Spaniens Minister für Inlandsentwicklung sieht das iberische Land als Opfer: "Finanzspekulanten führen in diesem Moment einen Angriff gegen den Euro aus", warnt José Blanco und fordert die EU auf, darauf eine "klare Antwort" zu geben.

Die dürfte allerdings noch auf sich warten lassen. Denn in vielen Staaten der EU sieht man das Problem nicht bei den Spekulanten, sondern bei undisziplinierter Staatsführung. Die Bereitschaft zur Solidarität ist nicht zuletzt angesichts geschönter griechischer Schuldenstatistiken deutlich gesunken. So stellt sich Finnlands Finanzminister offen gegen eine Unterstützung der Pleitekandidaten: "Ich schließe kategorisch aus, dass die Länder der Euro-Zone Griechenland finanziell helfen werden", so Jyrki Katainen. Dennoch wird es eines gemeinsamen Kraftaktes der EU bedürfen. Um zu verhindern, dass die griechische Tragödie zu einem Drama epischen Ausmaßes wird.
(mei)

8.2.2010 12:47
torren, 08. 02. '10 14:09
Verschuldung in der Eurozone
Sie schreiben u.a.: Griechenland ist nicht ein Einzelfall. Portugal, Spanien aber auch Italien stehen vor ähnlichen Schwieriglkeiten ...
Mit keinem Wort erwähnen Sie hiebei Österreich. Einer Grafik in der Tageszeitung "Österreich" vom 6.2.2010, Seite 7, ist zu entnehmen, dass die Verschuldung in Österreich (5,5 %) ü b e r jener Italiens (5,3 %) liegt.
Man soll also nicht nur auf andere Länder zeigen (anprangern), wenn der eigene Haushalt nicht stimmt und dringendst in Ordnung zu bringen wäre.