Freitag, 12. Februar 2010

'Warum ihr schuftet, aber wir reich werden':
Banker Hörhan beschimpft die Mittelschicht

  • FORMAT: 34-jähriger Investment-Punk ohne Mitleid
  • Bloße Verachtung für die geschundene Mittelschicht

Der Investmentbanker Gerald Hörhan beschimpft in seinem Buch „Investment Punk“ höchst unterhaltsam die Mittelschicht: Sie sei in ihrem Konformismus selbst schuld an ihrem Elend.

Er ist 34, fährt schnelle Autos, hat ein Büro am Stephansplatz und jongliert als selbständiger Investmentbanker mit Millionen: Gerald Hörhan gehört zu den bösen Buben der Wirtschaftskrise, und er ist stolz darauf. Sein Buch „Investment Punk“, das diese Woche erscheint, ist eine Schmähschrift gegen die Mittelschicht: Denn nicht die Investmentbanker seien schuld daran, dass die Masse immer ärmer wird – sondern die Mittelschicht selbst, deren mangelndes ökonomisches Verständnis sie in ein Hamsterrad der ständigen Ausbeutung zwinge.

Kein Mitleid
Hörhan hat also für die gebeutelte Mittelschicht kein Mitleid, dafür aber viel Verachtung übrig. Der Investmentbanker stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, studierte in Harvard Mathematik und arbeitete bei KcKinsey und bei J.P. Morgan in der Wall Street, bevor er sein eigenes Corporate-Finance-Unternehmen Danube Finance Group gründete. Im Inneren ist er ein Punk geblieben: Manchmal tauscht er den Nadelstreif gegen Kapuzenshirt und Springerstiefel und fährt auf ein Punk-Festival. Seinen Erfolg erklärt er genau mit dieser Haltung: Nie dem System glauben, sondern es austricksen. Im Unterschied zu echten Punks verfolgt Hörhan dabei ein klares Ziel: Geld machen – und daraus noch mehr Geld.
Doch da Geld allein nicht glücklich macht und Hörhan sich wohl auch nach ein bisschen gesellschaftlicher Anerkennung sehnt, schenkt er der Mittelschicht in seinem Buch seine wichtigsten Regeln für das Reichwerden. Die lauten: Man darf nicht dauerhaft mehr ausgeben als einnehmen. Konsumschulden sind der direkte Weg in die moderne Sklaverei. Man muss von Profis lernen. Man darf nichts kaufen, das man nicht versteht. Hände weg von Vermögensberatern: Wenn die wüssten, wie man ein Vermögen macht, hätten sie einen ande-
ren Job. Und das Wichtigste: Niemals tun, was alle tun. Denn „wer reich werden will, muss ein Punk sein“. Lesen Sie auf der rechten Seite einen Vorabdruck.

Lesen Sie einen Vorabdruck im aktuellen FORMAT 6/10 und auf www.format.at!

12.2.2010 15:30
sidestep, 14. 02. '10 10:50
Wie Proleten aussehen
Ernst zunehmende Wissenschaftler habe einmal erkannt, dass sich die Physiognomie eines Menschen dazu eignet, seinen Intellekt zu bestimmen. Schaut euch den da oben an dann wisst ihr, wie Proleten ausschauen. Der mag zwar Millionen haben ist aber was seine Bildung anbelangt auf Volksschulniveau stehen geblieben. Da können ihm nicht einmal seine Millionen helfen, dieses Niedrigniveau zu verlassen. Bildung hat man oder eben nicht. Die kann man sich nicht kaufen - auch nicht mit Millionen!
standard123, 14. 02. '10 02:06
Medienpopulismus
Ich habe das Buch gelesen. Es ist schade, dass es durch den Medienpopulismus so provokativ negativ dargestellt wird. Die eigentliche Botschaft des Buches ist eine andere, eigentlich sehr positive. So wird aufgezeigt wie man aus diesem „Hamsterrad“ entkommen kann bzw. das System hinterfragen muss, wenn man eben nicht dauernd abgezockt werden will!
m3dicus, 13. 02. '10 15:22
Realitätsverlust?
Als geistig eingeschränkt würde ich ihn überhaupt nicht bezeichnen, eher als wahrnehmungsbehindert!

Kann er sich überhaupt in eine Familie einfühlen, die in der Schuldenfalle steckt, nur noch für die Zinsentilgung arbeitet und deren Kinder keine Aussicht auf ausreichend gute Bildung mehr haben? Ohne Bildung und vor allem ohne ZEIT(!) sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen - wie soll man da noch einen Überblick über den Finanz- und Informationsdschungel dieser Welt haben, um nicht ständig in Fallen zu tappen?
m3dicus, 13. 02. '10 15:22
Re: Realitätsverlust?
Er war in Harvard, hat dort hauptsächlich mit gutsituierten Personen zu tun gehabt, die v.a. im Ökonomischen Sektor einen sehr dekadenten Lebensstil pflegen, im Anschluss war er im Hochfinanzsektor. Ich traue mich sagen, dass er den Kontakt zum Boden der Realität verloren hat.
Ich war selber einige Zeit in Harvard (allerdings im Medizinischen Bereich) und habe einige Impressionen dieser Art sammeln und verinnerlichen können.
m3dicus, 13. 02. '10 15:23
Re: Realitätsverlust?
Der Bildungsgraben in der Bevölkerung wird auf Kosten der Mittelschicht immer breiter, sodass es geistig, zeitlich und finaziell verarmten Familien immer schwerer fällt unsere Gesellschaft, die Finanzwelt und Politik als ein künstliches Konstrukt zu durschauen, zu reflektieren, und vor allem Aktionen dagegen zu setzen, all das unterstützt durch mediale Manipulation. Sie werden immer mehr von "Experten" abhängig.

Das derzeit vorherrschende System führt unweigerlich zur Sklaverei und zwingt die Unterschichten (tut mir Leid für diese Wortwahl) hinein! Die Maschine läuft schon lange und schon in ein bis zwei Generationen könnte das Horrorszenario verwirklicht sein.

Aufklärung und Bildung sind die einzigen Waffen dagegen ...
m3dicus, 13. 02. '10 15:23
Re: Realitätsverlust?
Es tut mir leid, dass ich sooft posten musste, aber die max.800 zeichen sind einfach zu wenig für eine gute diskussion ;)
brabus, 13. 02. '10 14:02
Investment-Punker
Dass solche Zocker, die selbst kein Risiko bei der 'Veranlagung' von fremden Geldern tragen diejenigen provozieren (beschimpfen), die ihm noch nicht auf den Leim gegangen sind ist verständlich, schliesslich könnte der eine oder andere drauf reinfallen und sein Punkerleben damit auch künftig finanzieren ......
König86, 13. 02. '10 12:45
Mittelschicht
Ich bin immer wieder fasziniert von dieser Neiddepatte in Österreich. Es stimmt doch, dass der Mittelstand abgezockt und aufgerieben wird und wenn es mal einer anspricht, dann brüskieren sich ausgerechnet die Leute, die eigentlich angesprochen sind…
guglu, 13. 02. '10 09:55
Selbstgerecht zu Unrecht
Dieser Herr hat wohl noch nichts vom tiefen Fall gehört. Diejenigen, die am lautesten schreien, haben den meisten "Dreck" am Stecken. Siehe Finanzskandal der letzten beiden vergangenen Jahre. Bin gespannt, ob wir auch dann von ihm hören werden, wenn es ihn trifft. Raffgier und Selbstüberschätzung sind auf Dauer kein guter Partner. Eines ist aber sicher, Erleuchtet ist dieser Herr keinesfalls.
Vasant, 13. 02. '10 09:49
Lustiger Selbstdarsteller!
Man soll nie mehr ausgeben als man hat und dazu braucht
man auch nicht die Weisheiten von einem Hörhahn,
sondern einfach nur Hirn und das im aktiven Modus.

Er wäre vielleicht gerne ein Punk, aber die Ideologie eines
Punks kennt der mit Sicherheit nicht. Der Typ kann einem
echt leid tun, denn sein Leben ohne Freunde wird er auch
nicht "getarnt" als Punk auf Festivals bereichern können.

Und als harte Arbeit kann man es auch nicht bezeichnen,
wenn man einfach Geld von A nach B transferiert und
sich dabei halt offiziell eine Provision abzweigt und sich
damit selbst bereichert. Harte Arbeit schaut anders aus
und durch ein Styling verbessert man auch nicht seinen
Charakter ... im Gegenteil, man versteckt diesen.

Geld machen und menschlich bleiben zeichnet einen
Menschen mit Charakter aus!
founder, 13. 02. '10 09:48
Konsumschulden sind der direkte Weg in die moderne Sklaverei.
Dazu ein Javascript Rechner der den Weg in die Dividendenknechtschaft zeigt. Wenn die Ölproduzenten ständig einen Teil der Einnahmen für den Kauf von Aktien verwenden, dann wird Öl bald doppelt bezahlt, einmal beim Kauf, einmal mit den Dividenden an die Aktienbesitzer.

http://politik.pege.org/2006/oel-aktien-dividende.htm

Erdöl kommt uns weit teurer als wir denken und ist korrekt berechnet völlig unrentabel.