Montag, 8. Februar 2010

Teil eines ausgeklügelten Netzwerkes:
Schwere Vorwürfe gegen Mensdorff-Pouilly

  • Korrupte Praktikten für lukrative Verträge entwickelt
  • An Mensdorff-Pouilly flossen rund 17 Millionen Pfund

Die Ermittler der britischen Antikorruptionsbehörde sehen den Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly im Zentrum eines "ausgeklügelten" mitteleuropäischen Netzwerks, das mit Millionen-Bestechungen versucht hat, Rüstungsentscheidungen in Mitteleuropa zugunsten des britisch-schwedische Konsortiums Gripen zubeeinflussen. Das geht aus den Voruntersuchungen gegen Mensdorff-Pouilly in den vergangenen 14 Tagen hervor. Mensdorffs Anwalt Harald Schuster war vorerst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Laut den Ermittlern des Serious Fraud Office (SFO) hat der britische Rüstungskonzern BAE Systems "von 2002 an korrupte Praktiken eingesetzt, um an lukrative Verträge für Kampfjets in Mitteleuropa zu kommen".

In einer "ausgeklügelten und und genau geplanten Operation", an der hohe BAE-Manager beteiligt gewesen seien, habe sich BAE mit Mensdorff "verschworen", mehr als 10 Millionen englische Pfund (heute 11,45 Mio. Euro) für eine Bestechungskampagne in Österreich, Tschechien und Ungarn zu stecken, berichtet die Zeitung unter Berufung auf SFO-Ermittler. Für Mensdorff-Pouilly gilt die Unschuldsvermutung.

BAE und Mensdorff hätten "Bestechungsgelder an Amtspersonen/Funktionäre (officials)" gezahlt, um Offerte von Gripen-Jets zu "begünstigen". In der Schweiz seien dafür drei "Offshore-Gebilde" ins Leben gerufen worden, um die Zahlungen vor Stravferfolgern besser geheim halten zu können. Ihr Hauptzweck sei es aber gewesen, "Geld an Funktionäre weiterzuleiten."

17 Millionen Pfund an Mensdorff
70 Prozent der BAE-Gelds, das an Mensdorff gegangen sei, sei schließlich auf österreichischen Konten gelandet. Nach wichtigen Beschaffungsentscheidungen sei es binnen Tagen und Wochen zu "bedeutenden Cash-Abzügen" gekommen.

Insgesamt seien 17 Millionen Pfund an Mensdorff gegangen, offiziell habe er dafür "Marketingberichte" geliefert.

Deal zwischen BAE und Behörden
Mensdorff war am 29. Jänner auf Basis von Korruptionsvorwürfen in Großbritannien verhaftet und Ende vergangener Woche wieder freigelassen worden. Seine Enthaftung war Teil eines umfassenden Deals zwischen BAE und den Strafverfolgungsbehörden ("Plea Bargain"). In dem Deal bekannte sich der Konzern kleinerer Vergehen in Sachen Offenlegung für schuldig und zahlte insgesamt 286 Mio. Pfund an die USA und Großbritannien. Die Korruptionsuntersuchungen wurden gleichzeitig fallengelassen.

Unter diesen Umständen sei es "nicht im öffentlichen Interesse, die Untersuchung über das Verhalten von Individuen fortzusetzen", hatte das SFO dazu am Freitag mitgeteilt.

"Das britische Recht verbietet die detaillierte Veröffentlichung von Beweisen aus gerichtlichen Voruntersuchungen", schreibt dazu der "Guardian". "Jetzt, wo der Fall Mensdorff fallen gelassen wurde, kann aber berichtet werden."
(apa/red)

8.2.2010 14:55