Ein Fall für Außenseiter: Selten gewinnt
die Herren-Abfahrt bei Olympia der Favorit
- Seit Klammers Triumph 1976 nur einmal der Fall
- "One-Hit-Wonder" von Cretier bis Tommy Moe

"One-Hit-Wonder" gibt es nicht nur in den Musik-Charts, sondern sie haben auch in der olympischen Abfahrts-Geschichte fast schon Tradition. Kaum eine andere Wintersport-Disziplin bot so viele Überraschungs-Olympiasieger - in der alpinen Königsdisziplin fuhren oft Außenseiter den Topfavoriten um die Ohren. "Underdogs" wie der Franzose Jean-Luc Cretier (Nagano 1998) oder der US-Amerikaner Tommy Moe (Lillehammer 1994) hatten ihren magischen Moment ausgerechnet im wichtigsten Rennen überhaupt.
Bis einschließlich des legendären Olympiasieges des Kärntner Franz Klammer 1976 in Innsbruck hatten durchwegs Topfavoriten Gold in der alpinen Königsdisziplin geholt. Doch 1980 in Lake Placid schlug mit dem eigentlich nur als ÖSV-Reservisten vorgesehenen Tiroler Leonard Stock erstmals ein Außenseiter zu.
Stock hatte damals noch kein einziges Weltcup-Rennen (Debüterfolg erst 1989) gewonnen - ebenso wie sein Vorarlberger ÖSV-Teamkollege Patrick Ortlieb (Debütsieg 1993), der 1992 in Albertville Gold holte. Gleiches gilt für die Sensationssieger Moe (nur ein Weltcup-Sieg unmittelbar nach Olympia 1994 im Super-G) oder Cretier, der in seiner Karriere überhaupt nie ein Weltcup-Rennen gewann. "Super-Gleiter" Bill Johnson aus den USA, laut Klammer ein "Nasenbohrer", hatte dagegen einen Monat vor seinem Gold-Coup in Sarajevo 1984 in Wengen wenigstens einen Weltcupsieg gefeiert.
Seit Klammer hat sich also mit dem Schweizer Pirmin Zurbriggen (1988 in Calgary) nur einziger Topfavorit in der Olympia-Abfahrt durchgesetzt. Fritz Strobl war 2002 zwar kein Überraschungssieger, doch der haushohe Goldfavorit war damals der Tiroler Stephan Eberharter, der am Ende "nur" Bronze holte, gewesen. Der Franzose Antoine Deneriaz hatte vor seinem Olympiasieg 2006 in Turin/Sestriere immerhin drei Abfahrten gewonnen.
(apa/red)










