Eiserne Herrschaft der olympischen Ringe:
IOC macht sich Werbewelt wieder Untertan
- Striktes Werbeverbot für nichtoffizielle Sponsoren
- Olympisches Comité scheffelt inzwischen Milliarden

·Medaillenwettrennen wird "Gigantenkampf"
ÖÖC-Team setzt sich Turin 2006 als Maßstab
·Zehn bis zwanzig Medaillen bei Olympia
Rot-weiß-rote Prognose für Spiele in Vancouver
Alle zwei Jahre überzieht eine gefürchtete Organisation die Werbewelt mit ihrer unerbittlichen Herrschaft: Das Internationale Olympische Comité (IOC) bestimmt rund um die olympischen Winter- und Sommerspiele, wer mit Sport werben darf und wer für einige Wochen die Finger davon zu lassen hat. Dieses olympische Werbeverbot kommt bei vielen Sponsoren, die Sportarten und Athleten über Jahre hinweg begleiten nicht besonders gut an: Denn das Regime des IOC ist unerbittlich - und bestraft auch noch die kleinsten Verstöße.
Vom 4. Februar bis 3. März ist bei Sportfinanciers Vorsicht angesagt: Das weltweite Werbeverbot untersagt Sponsoren, die nicht mit dem IOC zusammenarbeiten, mit Athleten oder Sportarten Werbung zu betreiben. Damit sollen "Trittbrettfahrer" nicht von den olympischen Spielen profitieren können - und die offiziellen Top-Sponsoren des IOC geschützt werden.
Sportler, Betreuer und Offizielle müssen daher rund ein Monat lang dafür Sorge tragen, dass ihre Namen, Bilder oder Leistungen nicht für Werbezwecker verwendet werden. "Selbst bei Interviews müssen wir aufpassen, was wir sagen. Da haben wir die totale Eigenverantwortung", erklärte der ÖSV-Abfahrer Klaus Kröll. Das schließt sogar soziale Netzwerke mit ein: Für die Dauer der Spiele gilt Twitter- und Facebook-Verbot.
Erlaubt ist den Sportlern lediglich das Tragen von Ausstatter-Sponsoren bzw. Hersteller-Logos - und selbst das nur in reduziertem Ausmaß, erklärte Hannes Maschkan vom ÖOC. Diese Logos dürfen z.B. beim alpinen Skisport maximal 20 Quadratzentimeter groß sein und dürfen nur an bestimmten Positionen an der Bekleidung aufschienen.
Unglückliche Sponsoren
Unzählige Mitarbeiter des IOC wachen weltweit über die Einhaltung dieses Verbots. Wer gegen die strengen Richtlinie verstößt, muss mit harten Konsequenzen bis hin zu Schadenersatzklagen rechnen. Für Unternehmen, die Athleten und Sportarten über Jahre hinweg finanzieren, bedeutet das eine empfindliche Einschränkung - gerade in der Zeit, in der die mediale Aufmerksam am größten ist. Die Sponsoren müssen sich zwangsläufig mit der Situation arrangieren: "Wir versuchen im Vorfeld eine emotionale Bindung zwischen Sponsor und Athleten aufzubauen, die auch ohne Logovisibilität wahrgenommen wird", erklärt Susanne Speil, Leiterin des A1-Sponsorings die Sponsoring-Strategie der mobilkom austria. Ziel ist, dass Athleten wie Michael Walchhofer auch ohne A1-Logo auf dem Helm mit dem Unternehmen assoziiert werden.
Glücklich werden jene Sponsoren, die es nicht in den exklusiven Kreis der IOC-Partner geschafft haben, mit diesem Werbeverbot dennoch nicht. Denn profitieren können von diesem Verbot nur das IOC und die offiziellen Top-Sponsoren. Der Schutz für diese neun Geldgeber hat dem IOC laut jüngstem Marketingbericht durch die Winterspiele 2006 und die Sommerspiele 2008 Einnahmen von 3,76 Milliarden Euro beschert.
Die Athleten sehen davon übrigens nichts: Das IOC will auch in Zukunft aus den Werbe-Milliarden kein Geld an Medaillengewinner ausschütten.
(apa/mei)










