Sonntag, 14. Februar 2010

BMW Oracle segelt zu America's-Cup-Sieg:
Herausforderer lässt Alinghi keine Chance

  • Amerikaner gewinnen auch die zweite Wettfahrt
  • Alinghi-Skipper fängt sich erneut eine Strafe ein

US-Herausforderer BMW Oracle hat den 33. America's Cup gewonnen. Die Amerikaner setzten sich nach dem Auftaktsieg am Freitag auch in der zweiten Wettfahrt der "best of three"-Serie klar gegen das Schweizer Titelverteidiger-Syndikat Alinghi durch und eroberten damit die bedeutendste und älteste Segeltrophäe der Welt. "Das ist ein unglaubliches Gefühl, mit mehr Stolz kann man nicht erfüllt sein", betonte Oracle-Besitzer Larry Ellison.

Sein Team erreichte das Ziel 5:26 Minuten vor den Eidgenossen und holte damit den "Old Mug" nach 15 Jahren wieder in die USA. 1995 hatte Young America die Serie gegen das neuseeländische Boot Black Magic glatt 0:5 verloren. Es war erst das fünfte Mal in der 159-jährigen Geschichte des America's Cup, dass sich der Herausforderer durchsetzte. Zuletzt war dies Alinghi im Jahr 2003 gegen das Team New Zealand gelungen.

Riesiges Segel gewinnt
Nach dem Debakel vom Freitag, an dem Alinghi mit über 15 Minuten Rückstand die Ziellinie überquert hatte, war allgemein mit einer weiteren deutlichen Schlappe des Titelverteidigers gerechnet worden. "Wir können zwar in einer Nacht kein neues Segel konstruieren, doch wir haben einige Mittel, um Alinghi 5 besser zu konfigurieren", hatte Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli noch am Samstag gesagt. In der Tat war das Schweizer Syndikat am Sonntag zu mehr Gegenwehr fähig, aber letztlich war das gigantische Flügelsegel von BMW Oracle die entscheidende Waffe in diesem America's-Cup-Duell.

Stundenlang hatte Rennleiter Harold Bennett wegen einer Flaute mit dem Start zugewartet. Erst um 16.25 Uhr - nur fünf Minuten vor dem Ablauf des möglichen Zeitfensters - gab er den Start frei. Mit Bertarelli am Steuer startete Alinghi ins zweite Rennen, das über einen 74 km langen Kurs in Form eines gleichschenkligen Dreiecks führte. Der Alinghi-Besitzer handelte sich aber wie bereits in der ersten Regatta eine Strafe ein. Dieses Mal hatte nicht der Gegner protestiert, sondern Alinghi selbst einen Fehler begangen. Der Schweizer Katamaran befand sich beim Signalton, der fünf Minuten vor dem Start ertönte, verbotenerweise noch in der Prestart-Zone, was mit einem Kreismanöver bestraft wurde.

Trotz des frühen Handicaps und einem Start-Rückstand von 24 Sekunden kämpfte Alinghi beherzt gegen die Niederlage. Nach einer Viertelstunde überließ Bertarelli das Steuer dem Mehrrumpf-Profi Loick Peyron aus Frankreich. Just zu diesem Zeitpunkt übernahm Alinghi die Führung und baute den Vorsprung auf rund 400 Meter aus. Dies war aber noch zu wenig, um das Strafmanöver zu segeln und in Führung bleiben zu können.

Entscheidung vor der ersten Wendemarke
Die Entscheidung in der zweiten Wettfahrt fiel kurz vor der ersten Wende-Marke. Der australische Oracle-Steuermann James Spithill taktierte hervorragend und brachte seinen Trimaran in eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Ohne Zusatzmanöver passierte er die Boje und war damit in der Lage, die gesamte Geschwindigkeit mitzunehmen. Beim zweiten Wendepunkt war deshalb der Vorsprung der Amerikaner bereits auf über zwei Minuten angewachsen.

Ellison und sein Generaldirektor Russell Coutts waren während der ganzen Wettfahrt an Bord und konnten hautnah miterleben, wie ihr Hightech-Boot mit seinem gigantischen Flügelsegel dem Gegner davonzog. Der frühere Alinghi-Skipper Coutts wahrte damit auch seine Ungeschlagenheit im America's Cup. Der Neuseeländer hat sämtliche 15 Regatten gewonnen, bei denen er an Bord war.


(apa/red)

14.2.2010 20:05