Mittwoch, 17. Februar 2010

"Ich glaub ich bin nicht ganz normal":
Ein Denkmal für den Komiker Armin Berg

  • NEWS.at-Buchtipp: Simon Usatys Künstlerbiographie
  • Reise in blühende Kulturszene der Zwischenkriegszeit

"Ich glaub, ich bin nicht ganz normal", singt der legendäre Armin Berg im Jahr 1931. Umso erstaunlicher, dass der ungewöhnliche österreichische Unterhaltungskünstler inzwischen beinahe gänzlich in Vergessenheit geraten ist. Den Versuch, diesen Umstand zu ändern und Armin Berg seinen rechtmäßigen Platz im Ahnensaal des Kabaretts zu verschaffen, tritt der Wiener Historiker Simon Usaty an - in erstaunlich kurzweiliger Weise.

Die Biographie des Wiener Unterhaltungskünster, der für zahlreiche noch heute kursierende Schlager, Pointen und Bonmots verantwortlich zeichnet, ist von Migration, künstlerischen Durchbrüchen und drastischen Wendungen gezeichnet. 1883 im mährischen Hussowitz geboren, gelang es dem jüdischen Künstler, sich rasch in der Wiener Kunstszene zu etablieren. Mit scharfer Zunge kommentierte er Zeitgeschehnisse, verschaffte seinen Zuhörern aber auch gleichzeitig die Möglichkeit, die harte (Kriegs-)Wirklichkeit für die Dauer eines Abends hinter sich zu lassen.

Rasch erarbeitete sich Berg Vorstellungen auf den wichtigsten Wiener Kabarettbühnen und blieb 30 Jahre lang ein fixer Bestandteil der Szene. Die größte Zäsur im Leben des Komikers ereignete sich 1938, als Berg ins New Yorker Exil flüchten musste. Trotz des Verlusts seiner Heimat gelang es Berg, seinem Beruf auch in der Fremde nachzugehen. Triumphal gestaltete sich seine Rückkehr 1949, als er in Plakaten und Radioprogrammen in Österreich willkommen geheißen wurde - freilich ohne Interesse für sein Schicksal und seine Vertreibung aufzubringen.

Der künstlerische Erfolg wollte sich in der Heimat allerdings nicht mehr so recht einstellen. Kurzzeitig kehrte Berg wieder in die USA zurück, um sich nach seiner endgültigen Niederlassung in Österreich von der Bühne zu verabschieden. 1956 starb der bedeutende Unterhaltungskünstler im Alter von 73 Jahren.

Unterhaltsam und informativ
Das bewegte und bewegende Schicksal des vielseitig begabten Komikers weiß der Autor in amüsanter und gleichzeitig tief schürfender Weise darzustellen. Mit unzähligen Versen, Couplets und Bonmots versehen wird so nicht nur ein Einblick in das Leben des Armin Berg, sondern auch in die blühende Wiener Unterhaltungsszene der Vor- und Zwischenkriegszeit geboten. Insgesamt gelingt Usaty das Kunststück, einen mit Fakten gespickten und um umfangreiches Zusatzmaterial erweiterten Text zu einer kurzweiligen Lektüre zu modellieren. Der Leser wird gleichzeitig unterhalten und informiert - ein biographisches Werk über einen vergessenen Künstler, wie es lesenswerter nicht sein könnte.
(mei)

17.2.2010 16:38