Heinz Sichrovsky über das leidige Schnitzler-Malheur
- Nasenwehens Gebrösel vs. dumpfes Getrampel
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Was hat man als (damals) junger Kritiker den Zwischenton gehöhnt: das verlogene, nasenwehe Gebrösel, das reflexartig in Betrieb genommen wurde, sowie es um Schnitzler oder Hofmannsthal ging. Groß war die Erleichterung, als Thomas Langhoff für Schnitzlers Der einsame Weg die Vereisungskunst ersann. Horváths Sprachpartituren hingegen, weniger fragil als die Schnitzlers, funktionierten fast immer.
Dennoch schien die Horváth-Welt neu erschaffen, als Marthaler Kasimir und Karoline in Musik auflöste. Keine zwei Jahrzehnte später droht allen Wegen zu Schnitzler und Horváth die Vermurung. Laut und konventionell trampelten soeben Stefan Bachmann am Akademietheater durch die Geschichten aus dem Wiener Wald und Ernst Köpplinger an der Josefstadt durch Das weite Land. Logisch in einer Zeit, in der klassische Musik, aus der sich österreichische Dramatik bis Bernhard, Jonke und Jelinek speist, der Alltagskultur entschwindet? Logisch jedenfalls, dass dem verfeinerten Opernregisseur Jossi Wieler Elfriede Jelineks Rechnitz großartig gelang. Wieler wird 2011 Direktor der Stuttgarter Oper. Das ist gut für die Oper, aber schlecht für das Theater, dessen aktueller Zustand allmählich verschämte Sehnsucht nach dem leidigen Zwischenton provoziert.
Heinz Sichrovsky
sichrovsky.heinz@news.at












