Operation "Mushtarak" gestartet: NATO beginnt mit Großoffensive gegen Taliban
- 15.000 Soldaten gegen radikal-islamische Kämpfer
- Truppen wollen Taliban-Hochburg Marjah einnehmen
·Bisherige Offensiven gegen die Taliban
Internationale Truppen warten noch auf Erfolg
·Die Taliban-Hochburg
Provinz Helmand
Gilt als Rückzuggebiet für
radikale "Gotteskrieger"
Es ist die größte Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001: Im Süden Afghanistans sind 15.000 ausländische und afghanische Soldaten auf dem Vormarsch, um die radikal-islamischen Aufständischen aus ihrer Hochburg Marjah in der Provinz Helmand zu vertreiben. Nach ersten Angaben stießen die Soldaten bei der Großoffensive zunächst auf wenig Widerstand.
Bei den ersten Kämpfen wurden mindestens 20 Taliban getötet und elf gefangen genommen, wie der Kommandant der afghanischen Streitkräfte, General Sher Mohammad Zazai, erklärte. Nach Angaben der internationalen Schutztruppe ISAF starben nach Beginn des Angriffs drei US-Soldaten - sie seien aber nicht direkt an dem Einsatz beteiligt gewesen, hieß es.
US-amerikanische Truppen meldeten erste Erfolge. So sei es einer kleinen Vorhut von 200 Mann gelungen, in Randgebiete von Marjah vorzudringen, berichtete der US-Sender CNN. Die afghanischen und die ausländischen Soldaten seien zu Fuß, in Lastwagen und mit Hubschraubern auf dem Vormarsch, sagte US-Armeesprecher Abraham Sipe. Die Taliban würden bisher "minimalen Widerstand" leisten.
Angst vor Minen
US-Militärs befürchteten aber, dass die Taliban das Gelände verminten. Die vorrückenden Truppen "gehen davon aus, dass Taliban-Kämpfer bis zum Tode kämpfen werden", hieß es. Bereits vor Beginn der Offensive hatte der Taliban-Sprecher Qari Yousef Ahmadi gedroht, die Aufständischen würden Marjah verteidigen und hätten rund um die gleichnamige Distrikthauptstadt Minen gelegt. In der Taliban-Hochburg verschanzen sich unterschiedlichen Angaben zufolge etwa 1.000 Kämpfer. Die großen Nachrichtensender zeigten Bilder, wie US-Truppen mit schwerem Gerät vorrückten.
US-Präsident Barack Obama hatte für dieses Jahr eine massive Eskalation des seit Ende 2001 andauernden Krieges angekündigt und rund 30.000 zusätzliche US-Truppen in Marsch gesetzt. An der Operation "Mushtarak" ("Gemeinsam") sind Soldaten aus den USA, Großbritannien, Dänemark, Estland, Kanada sowie aus Afghanistan beteiligt.
"Anfang vom Ende"
US-Brigadegeneral Lawrence Nicholson sagte laut "Washington Post": "Wir werden Marjah den Taliban wegnehmen." Das könne "zu einer grundlegenden Veränderung in Helmand führen" und möglicherweise in ganz Afghanistan. Der britische Brigadegeneral James Cowan sagte, die Operation werde den Anfang vom Ende des Aufstands markieren.
Außer im Distrikt Marjah wurden auch Kämpfe aus dem ebenfalls in Helmand gelegenen Distrikt Nad Ali gemeldet. Hier seien tausende britische und afghanische Soldaten im Einsatz, hieß es.
Karzai warnt Taliban
Die Truppen würden mit "überwältigender Gewalt" gegen jene Aufständischen vorgehen, die das Angebot der Regierung nicht annehmen wollten, sich zu reintegrieren und in den politischen Prozess einzugliedern, teilte die ISAF weiter mit. Präsident Hamid Karzai rief alle Taliban-Kämpfer dazu auf, die Gelegenheit zu nützen, um der Gewalt abzuschwören und sich in die Gesellschaft einzugliedern. Er forderte die Truppen zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Die Soldaten müssten "absolute Vorsicht" walten lassen und vermeiden, dass Unbeteiligte zu Schaden kommen, erklärte das Büro des Präsidenten.
Vor Beginn der seit Tagen angekündigten Offensive waren zahlreiche Zivilisten aus Marjah und der Umgebung in die Provinzhauptstadt Lashkar Gah geflohen. Marjah war bisher unter vollständiger Kontrolle der Taliban und Afghanistans wichtigstes Handelszentrum für Rohopium. Die Taliban finanzieren sich auch mit dem Drogenhandel.
(apa/red)
