Mittwoch, 3. Februar 2010

Seuchengefahr steigt: Hilfsorganisationen wollen 700.000 Menschen in Haiti impfen

  • Auch 140.000 Kinder sollen jetzt immunisiert werden
  • Verteilung von Lebensmitteln läuft inzwischen besser

Wegen der zunehmenden Seuchengefahr haben die Hilfsorganisationen in Haiti mit Massenimpfungen begonnen. Rund 700.000 Menschen in etwa 500 provisorischen Lagern sollen gegen Masern, Tetanus und Diphtherie geimpft werden, darunter auch 140.000 Kinder. Die Verteilung von Lebensmitteln läuft nach Informationen aus dem Krisengebiet besser. Nur gelegentlich komme es aus logistischen Gründen zu Verzögerungen, sagte eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Port-au-Prince. Unterdessen geht man von offizieller Seite von über 200.000 Todesopfern in Haiti aus.

Unter anderem wird sich das Rote Kreuz mit über 30 Helferteams an der Impf-Aktion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligen. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind Kinder wegen der unzureichenden hygienischen Verhältnisse in den Lagern ohne fließend Wasser, Abwasserkanalisation und Müllentsorgung besonders gefährdet. Das Technische Hilfswerk (THW) hilft mit vier mobilen Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung in der Hauptstadt Port-au-Prince und Leogane. "Wir haben bisher rund zwei Millionen Liter Trinkwasser erzeugt", sagte THW-Präsident Albrecht Broemme in Gera (Thüringen). Je Anlage könnten bis zu 40.000 Menschen versorgt werden.

Gut drei Wochen nach dem Beben kehrten die ersten Trinkwasserspezialisten des THW zurück. Doch der aktuelle Einsatz werde noch etwa drei Monate dauern. Auch danach wollen sich die Katastrophenhelfer in dem Land engagieren. "Wir planen, eine Lehrwerkstatt einzurichten", sagte Broemme weiter. Die zurückgekehrten Spezialisten berichteten von großem Elend, Armut aber auch großer Dankbarkeit der Haitianer. Das THW ist laut Broemme mit 20 Helfern im Erdbebengebiet im Einsatz.

Geldrückgabe verweigert
Unterdessen verweigerte das oberste Schweizer Bundesgericht die Rückgabe der Gelder des ehemaligen Diktators Jean-Claude Duvalier an Haiti. Nach Ansicht der Richter sind die Straftaten, die Duvalier vorgeworfen werden, verjährt. Daraufhin blockierte die Schweizer Regierung die 4,6 Millionen US-Dollar (fast 3,3 Millionen Euro), die seit 1986 in der Schweiz liegen, erneut. Sie sollten an die Erdbebenopfer gehen.

Zuvor hatte das Bundesamt für Justiz entschieden, das Geld sollte zum Wohle von Haitis Bevölkerung verwendet werden. Dagegen hatten Mitglieder des Duvalier-Clans geklagt. Für die Rückgabe an das Volk gebe es keine Rechtsgrundlage, entschied das Bundesgericht. Die dem Ex-Diktator Duvalier vorgeworfene Bildung einer kriminellen Organisation verjährt nach schweizerischem Strafrecht nach 15 Jahren. Von Duvaliers Sturz im Jahr 1986 an gerechnet trat die Verjährung 2001 ein. Das Bundesgericht hatte aber offen gelassen, ob das Geld den Duvaliers erstattet werden muss. Die Regierung, der Bundesrat in Bern beschloss nun am Mittwoch, dass die Duvalier-Gelder nicht an den Clan des Ex-Diktators ausbezahlt werden.

Wahlen verschoben
Die für Ende Februar geplanten Wahlen in Haiti wurden inzwischen offiziell verschoben. Ein neues Datum stehe noch nicht fest, hatte die Wahlkommission mitgeteilt. Die Gebäude der Wahlkommission waren ebenso wie zahlreiche Regierungsgebäude bei dem Erdbeben vor drei Wochen stark beschädigt worden. Die Regierung berät über einen Vorschlag, das Mandat der 99 Abgeordneten und elf Senatoren um zwei Jahre zu verlängern. Präsident Rene Preval und sein Kabinett tagen derzeit in einem Polizeigebäude beim Flughafen.

(apa/red)

3.2.2010 21:55