Sie kamen anfangs nur mit hundert Mann:
Besiedlung Amerikas vor 13.000 Jahren

  • Kleiner Gen-Pool lässt auf geringe Zahl schließen
  • Wanderungsbewegung mit Asien lange vor Kolumbus

Amerika wurde vor rund 13.000 Jahren von einer Gruppe von nur etwa 100 Personen besiedelt. Später kam es zu weiteren, ständigen Wanderbewegungen von Asien nach Amerika und umgekehrt. Das zeigen genetische Untersuchungen von Forschern der Universität Bern.

Über die Besiedelung Amerikas diskutieren Archäologen, Linguisten und Anthropologen seit Jahren heftig. Mittlerweile sind sich Forscher einig, dass die Ureinwohner den Kontinenten von Sibirien her über die Beringstrasse betraten. Der Zeitpunkt und das Muster der Einwanderung dagegen sind noch immer höchst unklar.

Forscher um Nicolas Ray und Laurent Excoffier von der Universität Bern haben sich dieser Fragen nun mittels populationsgenetischer Methoden angenommen. Sie verglichen Genproben von 29 Völkern aus Nord-, Mittel- und Südamerika mit zehn Völkern aus Asien, wie sie im Fachmagazin "Molecular Biology and Evolution" berichten.

Aus den Daten ziehen die Forscher den Schluss, dass die erste Besiedelung durch eine Gruppe von etwa hundert Personen stattfand. Das sei eine ziemlich geringe Zahl und zeige, dass Amerika mit einer sehr beschränkten genetischen Ausstattung besiedelt worden sei, sagte Nicolas Ray der Nachrichtenagentur SDA.

Mehrere Wanderungsbewegungen
Die Studie zeigt aber, dass die amerikanischen Völker nicht nur von diesen ersten Einwanderern abstammen. Auch mit zwei separaten Einwanderungswellen lassen sich die genetischen Daten nicht in Übereinstimmung bringen. Stattdessen muss nach der Erstbesiedelung ein ständiger Genaustausch zwischen Amerika und Asien stattgefunden haben.

Im Klartext heißt dies, dass bereits lange vor der "Entdeckung" Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 immer wieder Menschen von Asien nach Amerika oder zurück gewandert sind. Außerdem stützen die genetischen Daten laut Ray die These, wonach rasch auch die ersten Menschen von Nordamerika nach Südamerika vorstießen.

Wie viele Jahre die Wanderung in den Süden dauerte, lasse sich aufgrund der genetischen Analysen nicht exakt beurteilen, sagte Excoffier. Resultate von archäologischen und paläontologischen Studien wiesen aber darauf hin, dass dieser Prozess nicht länger als 1.000 bis 2.000 Jahre gedauert habe.

Früheste Besiedlungswelle vor 15.000 Jahren
Die Zeit der ersten Besiedlungswelle liegt nach Ansicht der Forscher etwa 13.000 bis 15.000 Jahre zurück. Dies stimmt überein mit den ältesten archäologischen Funden auf dem Kontinent und spricht klar gegen Theorien, wonach die heutigen amerikanischen Völker von Menschen abstammen, die sich bereits vor etwa 20.000 Jahren oder noch früher in Amerika niederließen.

Die statistische Ungenauigkeit der Daten lässt es laut den Forschern aber auch zu, dass die erste Besiedelung erst später als vor 13.000 Jahren stattgefunden hat. Die Studie könne deshalb keine Aussage machen zur viel diskutierten Theorie, wonach die Clovis-Menschen die ersten Einwohner Amerikas gewesen seien, sagte Ray.

Der Clovis-Kultur zugeordnet werden vor allem ganz bestimmte Speerspitzen aus Feuerstein, die vielerorts in Nord- und Mittelamerika gefunden wurden. Viele Forscher nahmen aufgrund des Alters und der Verteilung der Funde an, dass die Clovis-Menschen auch die Besiedler Amerikas waren.

Die Clovis-Phase war allerdings sehr kurz. Sie erstreckte sich etwa von 12.000 bis 11.000 Jahre vor heute. Weil später ältere archäologische Funde auftauchten, wurde die Clovis-Theorie zunehmend in Frage gestellt.

(apa/red)

5.2.2010 10:25
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