Harte Kritik - harte Reaktion: LASK trennt
sich von seinem Coach Matthias Hamann
- Dem Trainer schmeckte die Transferpolitik nicht
- Nachfolger soll schon bald präsentiert werden

·Hamann wettert gegen seinen Verein
Transferpolitik des LASK
ist "fahrlässig oder naiv"
Der dritte Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison ist perfekt. Der LASK trennte sich "aufgrund der jüngsten Ereignisse" von Coach Matthias Hamann. Der 41-jährige Deutsche hatte in einem Interview vor allem die Transferpolitik des Tabellenachten, der für den nach Salzburg abgegeben Toptorschützen Roman Wallner keinen adäquaten Ersatz geholt hat, heftig kritisiert. Ein Nachfolger könnte bereits am Freitag präsentiert werden.
"Es gab eine Liste von Dingen, die nicht gepasst haben", begründete Präsident Peter-Michael Reichel seine Entscheidung. Der Höhepunkt seien die unqualifizierten Aussagen des Coaches in einem ORF-Interview gewesen. "Wir mussten, da in etwas mehr als eine Woche die Meisterschaft startet, jetzt einen Schlussstrich ziehen", betonte der LASK-Präsident.
Die Ablöse des Bruders von Ex-DFB-Teamspieler Dietmar Hamann hatte sich in den vergangenen Wochen schon angekündigt. Reichel hatte Hamann zwei Tage vor Weihnachten seiner Funktion als Sportdirektor enthoben, am 19. Jänner war es zudem zu einer Krisensitzung ("um Missverständnisse oder Kommunikationsprobleme auszuräumen") gekommen, nach der anscheinend nur nach außen hin Einigkeit signalisiert wurde. Etwas mehr als zwei Wochen später ging nun die kurze Amtszeit des Ex-Kaiserslautern- sowie -1860-München-Spielers unrühmlich zu Ende. "Er hat seine dritte Chance nicht genützt, er hat keine Konsequenzen aus den Aussprachen gezogen", sagte Reichel.
"Er hat sehr gut begonnen"
Der Clubpräsident wollte sich keinen Fehler bei der Trainerwahl im vergangenen Juni eingestehen. "Er hat sehr gut begonnen und sich auch sehr gut verkauft", rief Reichel den ungewöhnlich guten Saisonstart der Linzer in Erinnerung. Dann sei allerdings die katastrophale Defensivleistung, die in dem Auswärts-2:7-Debakel gegen den Kapfenberger SV am 1. November 2009 gegipfelt hat, immer augenscheinlicher geworden. Dazu kam die immense Auswärtsschwäche der Oberösterreicher, Stürmer-Routinier Christian Mayrleb und Co. haben aus zehn Spielen in der Fremde nur zwei Punkte geholt, bei einem Torverhältnis von 14:37. "Das hat schon Zweifel aufgeworfen", meinte Reichel.
Neben der Auswärtsschwäche sind die Linzer auch durch ihre schon seit elf Runden andauernde Sieglosigkeit (5 Remis/6 Niederlagen) immer mehr ins Hintertreffen geraten, mit nur elf Punkten Vorsprung auf das Schlusslicht Austria Kärnten ist das Thema Abstiegskampf für den Tabellenachten noch nicht zum Positiven erledigt.
Wallner fehlt
Die Kritik von Hamann, die Position von Wallner nicht entsprechend nachbesetzt zu haben, konnte Reichel irgendwie verstehen. "Einen Roman Wallner kann man nicht nachbesetzen. Wir haben versucht erfahrene Spieler zu finden, die Österreich kennen, es war aber nicht möglich, Spieler abzuwerben, auch aus finanziellen Gründen", meinte Reichel. Nicht verstehen konnte der LASK-Präsident demgegenüber die allgemeine Kritik an der Transferpolitik. "Wir haben einen Rene Aufhauser verpflichtet, der eine echte Verstärkung für uns ist, darüber bin ich sehr glücklich", sagte Reichel über den Ex-Salzburg-Kicker.
Einen Nachfolger werden die Linzer ziemlich rasch präsentieren. "Wir waren uns des Problems bewusst, haben im Hintergrund gearbeitet", verriet Reichel. Bereits am Freitag könnte der neue LASK-Trainer bekanntgegeben werden. "Es sind schwebende Verhandlungen", wollte sich Reichel zu potenziellen Kandidaten nicht äußern. Eines ist aber klar: Der im Jänner als Trainer für die LASK Juniors und Berater in Marketingangelegenheiten verpflichtete 45-jährige ÖFB-Rekordtorschütze Toni Polster wird nicht in die Fußstapfen von Hamann treten. "Er soll sich voll und ganz seinen Aufgaben bei den Juniors widmen", bestätigte Reichel. Es wird jedenfalls bereits der fünfte Coach der Linzer - nach Andrej Panadic, Klaus Lindenberger, Hans Krankl und Hamann - in weniger als zwei Jahren sein.
Schwache Saison
Unter Hamann haben es die Linzer in 19 Spielen nur zu einer mageren Bilanz von 4 Siegen, 6 Remis und 9 Niederlagen gebracht. Es war der dritte Trainerwechsel in der Bundesliga nach jenen bei Austria Kärnten (Joze Prelogar für Frenkie Schinkels) und Wiener Neustadt (Peter Schöttel für Helmut Kraft). Hamann selbst, der am kommenden Mittwoch seinen 42. Geburtstag feiert, war vorerst für keine Stellungnahme erreichbar.
(apa/red)
