Dienstag, 2. Februar 2010

Zehn Jahre nach dem Concorde-Unglück: Verantwortliche werden vor Gericht gestellt

  • Prozessauftakt nach Absturz des Überschallfliegers
  • 113 Menschen wurden bei Concorde-Unglück getötet

Knapp zehn Jahre nach Absturz einer Concorde bei Paris hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen der Katastrophe begonnen. Ein französisches Gericht soll klären, ob sich zwei Techniker der US-Fluggesellschaft Continental Airlines der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben. Bei dem Absturz waren im Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen.

Angeklagt sind auch drei ehemalige Mitarbeiter der französischen Luftfahrtbehörde DGAC und des Concorde-Herstellers Aerospatiale. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, nicht vor möglichen Risiken des Flugzeugs gewarnt zu haben.

Zum Prozessauftakt in Pontoise stellte die Verteidigung die offizielle Erklärung des Absturzes infrage. Von einem Continental-Flugzeug stammte ein Metallteil auf der Startbahn, das den Ermittlungen zufolge eine verhängnisvolle Kettenreaktion auslöste: Beim Überrollen der Titan-Lamelle platzte ein Reifen der Concorde, der einen Tank aufriss. Das ausströmende Kerosin entzündete sich.

War Maschine nicht flugtauglich?
Continental-Anwalt Olivier Metzner will diese Version des Unfallhergangs vor Gericht zu Fall bringen und 20 Zeugen hören, nach deren Aussage die Concorde bereits brannte, bevor sie über die Lamelle rollte. Die Maschine sei an jenem Tag nicht flugtauglich gewesen, weil sie überladen gewesen sei und ein Teil zur Stabilisierung der Räder gefehlt habe. Er werde die Einstellung des Verfahrens beantragen, weil die Airline nur als Sündenbock herhalten solle, erklärte Metzner.

Der Prozess ist bis zum 28. Mai angesetzt. Den Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis, doch rechnen Prozessbeobachter höchstens mit bedingten Haftstrafen.

Bei dem Absturz des Überschalljets in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle waren am 25. Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten waren Deutsche, die von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollten.

(apa/red)

2.2.2010 14:40