Dienstag, 2. Februar 2010

Drei Oscar-Nominierungen für Österreich: Sind wir nicht ein wunderbares Filmland?

  • Über angeblich rot-weiß-rote Erfolge auf der Leinwand

Nun ist fix, was viele prognostiziert haben: Christoph Waltz und Michael Haneke wurden für den Oscar nominiert. Und als Sahnehäubchen obendrauf darf auch Kameramann Christian Berger in das finale Wettrennen um den begehrten Filmpreis gehen. Politiker klopfen auf alle erreichbaren Schultern, und mit Vorliebe natürlich auf die eigene. Denn Österreich, ist das nicht ein gar wunderbares Filmland? Nicht wirklich.

Auch wenn die Filmförderung jüngst erhöht wurde, kann nicht einmal ansatzweise vom Filmland Österreich gesprochen werden. Christoph Waltz dümpelte hierzulande in zahlreichen vernachlässigbaren Fernsehfilmen und -serien herum, bis der große Tarantino ihm die Rolle seines Lebens verschaffte. Und nicht umsonst variiert sein Lebensmittelpunkt zwischen London und Berlin.

Noch eindeutiger ist die Situation bei Michael Haneke. Lebt dieser zwar immerhin innerhalb der Grenzen Österreichs, so hat er den Großteil seiner Meisterwerke außerhalb dieser gedreht. "Funny Games" aus dem Jahr 1997 war das letzte Werk im Haneke-Oeuvre, das als eindeutig rot-weiß-rot bezeichnet werden kann. Und auch wenn der ORF beim nun nominierten Film "Das weiße Band" seine Finger im Spiel hatte: Gewinnt der Schwarz-Weiß-Streifen tatsächlich den goldenen Glatzkopf, darf sich offiziell Deutschland darüber freuen, geht das Drama doch für den Nachbarn an den Start.

All diese Fakten ignorierend wird Österreich trotzdem als cineastisches Filmland hochgejubelt, angefangen von der Bundesregierung bis zum Kultursprecher des BZÖ. Dieser, Stefan Petzner ist sein Name, treibt es mit einem pikanten Vergleich noch auf die Spitze der Unverfrorenheit. "Die Tradition von genialen österreichischen Künstlern wie Billy Wilder lebt auch im 21. Jahrhundert weiter", so der langjährige Haider-Intimus. Dieser gewann insgesamt sechs Oscars, aber für Filme, die - Sie werden es schon ahnen - außerhalb Österreichs gedreht wurden, genauer gesagt in den USA. Wilders Vita genauer ins Visier nehmend hat er eigentlich nur zehn Jahre in Österreich verbracht, und das war lange vor seinen großen Erfolgen.

So gesehen trifft Petzners Vergleich eigentlich genau ins Schwarze.

(hoa)

2.2.2010 16:37
Ibikus, 02. 02. '10 21:12
Der Artikel ist sehr gut geschrieben, bis....
auf die Überschrift. Österreich hat Dank der unfähigen Politiker in keinem Metier mehr die Nase vorne. Ausser dass es noch Personen gibt die mit Österreichischen Pässen unterwegs sind. Aber Selbstbeweihräucherung ist ja in Österreich GROSSGESCHRIEBEN.............!!!!!!!!!!
Erotikdienst, 03. 02. '10 09:20
Re: Der Artikel ist sehr gut geschrieben, bis....
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